Natur und Stadt in Costa Rica

Nach einer warmen Nacht im Ort Sixaola vor dem Grenzübergang nach Costa Rica starten wir um 8:00 Uhr das Grenzprozedere. Die Ausreise verläuft reibungslos und wir treffen bei der Einreise nach Costa Rica auf die nettesten Grenzbeamten unserer bisherigen Reise. Sie interessieren sich für unsere Pläne und erklären und ganz entspannt die nächsten Schritte für die Einfuhr des Bullis. Dass an den zentralamerikanischen Grenzen viel kopiert und gedruckt werden muss haben uns schon viele Reisende mit auf den Weg gegeben. Dies braucht seine Zeit, aber nach ungefähr zwei Stunden sind wir ordnungsgemäß eingereist. Auf dem Weg nach Puerto Viejo halten wir an einem Supermarkt um unser Proviant aufzufrischen. Hier werden wir das erste mal mit dem sehr hohen Preisniveau konfrotiert. Panama war schon deutlich teurer als die südamerikanischen Länder, aber hier legt Costa Rica noch einen drauf. Käse wird mit umgerechnet 3,50 € für 100 g zum Luxusgut – und alle was man dann bekommt ist abgepackter Sandwichkäse. Zu sehr wollen wir uns hier aber nicht über die Preise beschweren…

Spontan finden wir einen tollen Stellplatz außerhalb von Puerto Viejo, eigentlich wollen wir hier nur frühstücken, bleiben aber den ganzen Tag. Die Brandung ist beeindruckend und wir haben einen tollen Strandtag. Über den Tag werden wir mehrmals von deutschen und niederländischen Touristen aufgrund des deutschen Kennzeichens angesprochen. Es entstehen jedes mal nette Gespräche und wir merken, dass Costa Rica in der Tourismusbranche den südamerikanischen Ländern einige Schritte voraus ist. So viele Deutsche auf einem Haufen haben wir auf der ganzen Reise noch nicht getroffen. Am Abend erkunden wir den Ort Puerto Viejo und beobachten die Affen und Faultiere in den Bäumen um den Bulli.

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg nach San José. Dort treffen wir uns mit Sophia, die mit uns gemeinsam Abi gemacht hat und gerade ein Praktikum an einer Schule in der Hauptstadt macht. Sophia zeigt uns den coolen Foodcourt in San José und wir wandern über eine Kaffeeplantage. Die Wanderung wird durch den in der Regenzeit alltäglichen Nachmittagsregen begleitet. Abends werfen wir uns in das Nachtleben der Hauptstadt. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Sophia für die schönen Tage. Wir denken gerne daran zurück und freuen uns auf ein Wiedersehen im September in Deutschland.

In San José können wir auch günstige Gaskartuschen für unseren Gaskocher kaufen. Die Kartuschen gibt es eigentlich weltweit, nur variiert die Verfügbarkeit und der Preis oftmals erheblich. Wir nutzen die Möglichkeit und legen uns einen Vorrat an.
Unser nächstes Ziel in Costa Rica ist der Manuel Antonio Nationalpark. Der berühmte Nationalpark ist auch wegen seines Eintrittpreises von ca 18 $ pro Person im Gegensatz zu unseren vorherigen Erfahrungen eine teure Angelegenheit. Allerdings haben wir den Tipp bekommen, dass man sich auf einen Strandspaziergang ganz aus Versehen in den Nationalpark „verlaufen“ kann. Da wir bereits um 6 Uhr da sind, sind wir mit die ersten im Park und entdecken Leguane und Faultiere. Dafür, dass der Eintritt 18 $ kostet sind die Wege, gerade abseits der Hauptroute, komplett zerfallen und durch brüchige Geländer und morsches Holz nur unzureichend gesichert und deshalb teilweise gefährlich.

Nach circa 1,5 Stunden werden wir von einem Ranger aufgefordert unser Ticket zu zeigen, was uns nicht möglich war. Wir wurden wohl über die markanten Schuhabdrücke unserer Crocs im Sand ertappt. Da wir aber bereits auf dem Weg zum Ausgang waren, ist die von den Ranger ausgesprochene Verweisung nicht all zu tragisch. Unserer Erfahrung nach kann man die Tierwelt ohne Eintritt und ohne Menschenansammlung an vielen öffentlichen Orten genauso beobachten.

Auch außerhalb der Nationalparks hat Costa Rica’s Natur viel zu bieten.

Auf dem weiteren Weg nach Norden halten wir auf einer Brücke über einen Fluss von der man Kaimane im Flussbett beobachten kann. Ein sehr beeindruckender Blick auf diese großen Tiere die in der Sonne faulenzen.

Danach begeben wir uns wieder auf den Weg in die Berge, die Nächte sind auf der Höhe deutlich besser zu ertragen. Am Arenalsee verbringen wir den Tag bei angenehmen Temperaturen auf dem Gelände einer Surfschule, die allerdings nur aus einem alten Container zu bestehen scheint und schon länger nicht mehr offen war. Leider ist der Wind sehr unbeständig und so genießen wir nur das Panorama und die Temperaturen. Den Abend verbringen wir in dem Ort Tilaran, dort genießen wir das Leben auf der Plaza und erkunden die Gassen. Ähnlich wie in Argentinien erwacht die Plaza am Abend zum Leben.

Für die Einreise nach Nicaragua benötigt man einen PCR test. Im teuren Costa Rica rechnen wir mit dem Schlimmsten. Mit insgesamt 130 € für die Tests sind wir noch ganz okay dabei. Am Testzentrum finden wir auch hervorragendes WLAN, sodass wir den sensationellen Europapokalsieg der Frankfurter Eintracht im Radio verfolgen konnten.

Den Aufenthalt in Liberia verbinden wir mit einem Mittagessen mitten im Supermarkt. Schon seit einigen Wochen fallen uns die Kantinen in den Supermärkten auf, deren Tische nicht selten mitten in den Gängen zwischen den Backwaren und Getränken stehen.

Abends haben wir einen tollen Stellplatz mit Blick auf den Pazifik. Von hier aus wollen wir am nächsten Tag in Richtung Grenze starten.
Beim Starten des Motors am Morgen jagt uns ein lautes Quietschen aus dem Motorraum einen Schrecken ein. Nach einiger Zeit verschwindet dieses Geräusch wieder. Wir vermuten dass die hohe Luftfeuchtigkeit für dieses Geräusch am Keilriemen verantwortlich ist. Mit einem etwas mulmigen Gefühl fahren wir zur Grenze in Peñas Blancas.

Oh, wie schön ist Panama!

Noch voller Freude über das gute Gelingen der Verschiffung fahren wir am 27. April mit dem Auto von Colon an der Küste entlang in Richtung Osten. Wir möchten gerne – wie immer, wenn wir einen Stellplatz für die erste Nacht in einem neuen Land suchen – im Hellen ankommen. Auf der Strecke raus aus Colon herrscht allerdings dichter Verkehr und wir kommen nur langsam voran. Auf den Landstraßen außerhalb des Einzugebiets der großen Stadt ist es dann leer, bis wir auf einmal stehen. Kurz vor einem kleinen Örtchen direkt am Atlantik stehen wir in einer Autoschlange und kommen nicht mehr vorwärts, die Ursache ist uns nicht ganz klar.

Wir finden nach und nach heraus, dass es sich wohl um einen Konflikt zwischen den Dorfbewohnern und der Polizei handelt, der die einzige Durchfahrtsstraße des Ortes blockiert, was genau dahinter steckt möchte uns aber keiner so wirklich sagen. Irgendwann sehen wir vermummte Leute, die sich mit Steinen bewaffnen und riechen Tränengas in der Luft, uns wird ein bisschen mulmig und wir entfernen uns etwas weiter vom Geschehen. Mittlerweile ist es auch dunkel geworden, was unserem unguten Gefühl noch weiter zuträgt.

Die anderen Autofahrer, die wir fragen sind allerdings sehr entspannt und sicher, dass im eigenen Auto und mit einem gebührenden Abstand keine Gefahr droht. Irgendwann kommen dann auch wieder Autos entgegen, die Straßensperre scheint sich also aufgelöst zu haben und auch unsere Schlange setzt sich langsam in Bewegung. Als wir an der Konfliktstelle ankommen sehen wir unzählige Pflastersteine vor der Polizeistation liegen, einen demolierten Polizei-Mannschaftswagen und Beamten in voller Montur. Wir sind froh, nicht in der Nähe gewesen zu sein und bringen schnell Distanz zwischen uns und den Ort.

Wir schlafen in dieser Nacht auf dem Gelände eines ehemaligen Hostels, das scheinbar schon seit Jahren nicht mehr im Betrieb ist. Wir dürfen aber die Toilette und die Dusche eines der Zimmer benutzen und direkt am Strand stehen.

Weil die einzige Verbindungsstraße durch das Land an der Pazifikküste entlangführt, durchqueren wir das Land erneut und fahren an Panama-City vorbei. Wir hoffen auf der Landzunge Punta Chame Kitesurfen gehen zu können. Dort angekommen finden wir – bis auf den fehlenden Wind – top Kite-Bedingungen vor und sind enttäuscht. Der Inhaber einer Kiteschule berichtet uns, dass wir ungefähr ein bis zwei Wochen zu spät kommen, mit dem Beginn der Regenzeit höre auch der im Sommer stete Wind schlagartig auf. Das Wetter meint es zu dieser Zeit sowieso nicht so gut mit uns. Bei über 30 Grad Außentemperatur hatten wir die Hoffnung, dass der meistens nachmittags einsetzende Regen eine kühlende Wirkung hätte. Da haben wir uns aber gewaltig geirrt. Die permanent hohe Luftfeuchtigkeit von über 90 % wird durch den Regen noch schlimmer. Alle Klamotten sind klamm, werden nicht mehr richtig trocken und fangen an vor sich hin zu muffeln. Die Polster im Bulli sind ebenfalls feucht, wenn wir schlafen gehen finden wir ein nasses Bett vor. Ununterbrochen schwitzen wir – selbst nachts um drei sind es noch 27 Grad. Entsprechend schlecht schlafen wir und das wirkt sich auf die Stimmung aus. Wir probieren das Beste aus der Situation zu machen und machen uns auf die Suche nach einem Ventilator, den wir in der Nacht laufen lassen können, das macht die Situation erträglicher, auch, wenn er dabei einen ziemlichen Lärm macht.

Regenzeit (mit Live-Kommentar der 2. Bundesliga).

Das Valle de Anton, das auf 600 m Höhe liegt bietet uns ein bisschen Abkühlung, die Luft ist hier nicht ganz so schwül und wir freuen uns über einen besseren Schlaf. Wir schlendern abends durch das kleine, belebte Städtchen und freuen uns über die schöne Atmosphäre. Für unseren Stellplatz haben wir uns eine kleine Grünfläche neben dem Fußballplatz ausgesucht. Ein alter Mann, der sich als Anwohner vorstellt, bringt uns Mangos und Bananen aus seinem Garten. Wir sind erst etwas unsicher, ob er im Gegenzug Geld bekommen möchte und fragen ihn nach dem Preis. Bisher haben wir im teuren Panama, im Gegensatz zu den großzügigen und hilfsbereiten südamerikanischen Ländern, nämlich die Erfahrung gemacht, dass niemand etwas umsonst macht, sondern für jeden Handgriff und jede Kleinigkeit eine Gegenleistung erwartet und gefordert wird. Hier allerdings liegen wir falsch, der Mann möchte uns das Obst wirklich einfach schenken und wir ärgern uns über unser Misstrauen.

Darüber hinaus fragt er uns, was wir in „seinem“ Ort noch vor haben, ein gewisser Stolz darüber, dass sich der Ort zu einer Touristen-Attraktion entwickelt hat, ist ihm anzumerken. Wir erzählen, dass wir am nächsten Tag eine kleine Runde wandern möchten. Zu unserer Überraschung fragt er uns, ob er mitkommen kann. Wir freuen uns über die Nachfrage, es ist bestimmt interessant sich von ihm über die Umgebung aufklären zu lassen und bejahen natürlich. Am nächsten Morgen treffen wir uns um acht Uhr und gehen los. Der Ort liegt in einem erloschenen Vulkankrater, unsere Wanderung führt uns über eine einigermaßen steile Strecke auf den Kraterrand. Die Aussicht hinunter in den Krater ist toll! Wir sind immer wieder beeindruckt, wie der 72-jährige Mann selbst die steilsten Abschnitte hochkraxelt und dabei nicht an Tempo verliert, immer wieder berichtet er etwas über sich oder die Umwelt. Anfangs sind wir sehr alleine und haben den Weg fast für uns, es wird aber nach und nach voller. Unser „Guide“ spricht mit jeder entgegenkommenden Gruppe und wir müssen immer wieder auf ihn warten. Irgendwann kommen uns auch Gruppen mit einem „offiziellen“ Guide entgegen, wir wundern uns, dass für diese Strecke überhaupt ein Führer notwendig ist, der Weg ist sehr gut ausgewiesen und selbsterklärend.

Irgendwann kommen wir wieder beim Auto an. Moritz und ich haben uns abgesprochen, dass wir unserer Begleitung ja ein kleines Trinkgeld geben können, als Dank für das nette Geleit. Als wir das zu Sprache bringen schaut er uns an und sagt, dass es normalerweise 20 $ kostet, mit ihm wandern zu gehen – mindestens und das Geld würde er nun gerne von uns bekommen. Wir sind perplex und frustriert. Aus unserer netten Bekanntschaft, die uns seine Heimat zeigen möchte wurde dann doch wieder jemand, der letztlich nur das Geld von uns wollte. Wirklich keine schöne Erfahrung, aber leider eine, die uns vor allem durch Panama und Costa Rica weiter begleiten sollte.

Wir fahren weiter und kommen nach zwei Zwischenstopps in Boca Chica an, einem kleinen Örtchen am Pazifik, von dem aus Boote zu den vorgelagerten und mangels Süßwasserquellen unbewohnten Inseln übersetzen. Wir buchen eine Tour, die uns zu drei verschiedenen Inseln bringen soll und Schnochel-Equipment stellt. Die Sonne scheint, das Wasser ist glasklar und der Strand weiß. Beim Schnorcheln können wir bunte Fische zwischen den Korallen beobachten und am Strand unter den Kokospalmen im Schatten die Ruhe genießen – ein Paradies!

Auf dem Rückweg zum Festland ziehen dunkle Wolken über dem Festland auf und kurz nach unserer Ankunft fängt es auch schon wieder an zu regnen – perfektes Timing, vormittags hatten wir wunderbares Wetter.

Von hier aus geht es über David, der heißesten Stadt des Landes, nach Boquete, das wieder in den Bergen liegt. Das Städtchen ist berühmt für seine Wandermöglichkeiten, allen voran für den Vulkan Barú, den man besteigen kann. Es soll unfassbar sein vom Gipfel des Vulkans den Sonnenaufgang zu bestaunen. Bei dem 13 km langem Aufstieg und den 1600 Höhenmetern, die zu überwinden sind heißt das, dass man um spätestens 0:30 Uhr losgehen muss, um pünktlich um sechs Uhr oben zu sein. Nach drei Stunden Schlaf klingelt also unser Wecker und wir packen unser Lunchpaket zusammen. Mit Stirnlampen ausgerüstet geht es durch die stockdunkle Nacht nach oben. Wir sind nicht die Einzigen, sondern treffen unterwegs immer mal wieder andere kleine Grüppchen.

Der Aufstieg ist wirklich steil und anstrengend, wir liegen aber gut in der Zeit und kommen rechtzeitig oben an. Der Ausblick ist gewaltig. Wir bestaunen den Sonnenaufgang über den Wolken und können beide Ozeane, Atlantik und Pazifik sehen. Ein unglaubliches Erlebnis!

Beim Abstieg sind wir froh, dass der Aufstieg im Dunkeln erfolgt ist, so konnten wir nicht sehen, was für steile Stücke wir zu überwinden hatten, das hätte uns sicherlich demoralisiert. Um 11 Uhr sind wir wieder am Auto und haben eine ganz schöne Strecke hinter uns. Wir bleiben noch für eine weiter Nacht auf der Höhe und genießen das kühle Klima. Den Nachmittag verbringen wir mit Steffi und Simon, die uns auf ihrem Weg aus den USA entgegenkommen. Ihre Reise ist schon fast vorbei, sie verschiffen ihren Toyota Hilux mit Bimobil-Wohnkabine (Moritz ist begeistert) von Panama zurück nach Hamburg. Es ist schön sich ein paar Tipps über die Route abzuholen und sich über das Reiseleben auszutauschen.

Aus den Bergen geht es wieder in die schwüle Hitze der Atlantikküste. In Almirante lassen wir das Auto auf einem bewachten Parkplatz stehen und setzen mit einem Taxi-Boot auf die Isla Colon, die Hauptinsel der karibischen Bocas-Inseln, über. Wir fahren von dort weiter auf die Isla Bastimentos, wo wir einmal über die Insel zum Playa Wizard und von dort aus durch den Urwald weiter zum berühmten Red Frog Beach laufen. Die Strände sind traumhaft und das Wasser fast unwirklich klar. Mit dem Taxi-Boot geht es dann zurück auf die Isla Colon, wo wir in einem Hostel schlafen. Am nächsten Tag nehmen wir, ähnlich wie auch schon in Boca Chica am Pazifik, an einer Bootstour durch das Insel-Archipel teil. Die Karibik ist wie gemalt. Wir sehen Delfine, Seesterne, Korallenriffs mit bunten Fischen und erneut traumhafte Strände. Diese sind allerdings nicht einsam, sondern sogar ziemlich voll.

Wir lassen uns nach der Tour von einem Taxi-Boot wieder auf das Festland übersetzen und fahren zur Grenze nach Costa Ria, wo wir die Nacht verbringen.

Auf nach Zentralamerika – Verschiffung nach Panama

In Cartagena warten wir auf Juan und seine Eltern, die mit ihrem T2 von Ecuador nach Alaska reisen. Zusammen wollen wir uns einen Container für die Verschiffung von Cartagena nach Colon in Panama teilen. Ana, unsere Agentin, die die Verschiffung für uns bei der Reederei bucht, teilt uns mit, dass wir am Montag das Auto in Cartagena abzugeben haben. Kurz darauf bekommen wir von Juan die Nachricht, dass ihr fast 50 Jahre alter Bulli mit einem Motorschaden in Bogotá liegen geblieben ist und er die pünktliche Ankunft in den Hafen nicht garantieren kann.

Zum Glück kann der Termin der Bulliabgabe auf Dienstag verschoben werden und Juan erreicht nach einer schnellen Reparatur und einem Gewalttrip aus Bogota die Hafenstadt Cartagena.

Auf das Hafengelände darf nur der Fahrzeughalter, ich muss den Bulli also alleine auf das Hafengelände bringen. Die Einfahrt in den Hafen erfolgt problemlos. Allerdings findet am Dienstagnachmittag keine Inspektion der Autos statt, sodass ich den Bulli auf dem Hafengelände zurücklassen und am nächsten Tag wiederkommen muss.

Dies ist an sich kein Problem, allerdings wird uns vorgeschrieben den Bulli unverschlossen auf dem Hafengelände stehen zu lassen. Nur widerwillig lasse ich den Bulli auf dem mäßig gesicherten Hafengelände zurück. Unsere Sorge ist nicht, dass Sachen möglicherweise abhanden kommen, sondern dass uns etwas dazugelegt wird.

Abends im Hotel bekommen wir eine E-Mail mit einer angehängten Deklaration, in der wir versichern müssen keine Drogen und ähnliche Sachen im Bulli zu haben und wir müssen unterschreiben für alles verantwortlich zu sein, was sich im Bulli befindet.
Eine Versicherung die wir im Wissen um das unabgeschlossene Auto nur mit großem Unbehagen unterzeichnen, allerdings haben wir keine andere Wahl.

Am nächsten Tag müssen wir die Autos komplett ausräumen und der Inhalt wird von Polizeibeamten kontrolliert. Neben unserem Freund Juan werden noch die Fahrzeuge eines Brasilianers und eines Argentinieres kontrolliert, die sich ebenfalls einen Container teilen.

Eine sehr nachlässige Drogenkontrolle.

Zuerst ist Juan an der Reihe, die Beamtin inspiziert jede Tasche und untersucht jede Unterhose. In der Proviantkiste, in der Juan Schokoriegel und Nüsse hat, öffnet sie jede Verpackung und riecht am Inhalt. Bei einer Tüte guckt sie verdutzt und erkundigt sich nach dem Inhalt. Juan bietet ihr an gerne von den Schokobonbons zu probieren. Das Angebot nimmt sie dankend an, danach probiert sie sich durch den ganzen Vorrat den Juan in seinem Bus hat. Wir anderen stehen staunend daneben. Ich mache mir etwas Sorge um den chilenischen Wein, den wir noch im Auto haben…

Bis unser Bulli an der Reihe ist, ist die Motivation der Polizistin verflogen und sie kontrolliert nur noch halbherzig den Inhalt. Sie wundert sich nur über die vielen Bücher in unserem Bücherregal.

Nach Abschluss der Inspektion können die Fahrzeuge in den Container verladen werden. Die Bullis werden von dem Hafenpersonal verzurrt. Der Container darf nur vor den Augen der Polizei geschlossen werden, die Wartezeit überbrücken wir mit netten Gesprächen mit Schweizern, die in der Gegenrichtung unterwegs sind und ihr Auto in Cartagena in Empfang nehmen wollen.

Nach circa sieben Stunden ist der Conatiner verschlossen, alles verzurrt und wir können das Hafengelände verlassen. Bei unserer Agentin Ana gibt es ein verspätetes Mittagessen und Juan und ich machen uns auf den Weg zurück in die Innenstadt.

Die verbleibenden zwei Tage in Cartagena vertreiben wir uns durch einen Ausflug auf den Castillo de San Felipe de Barajas und lassen uns die Cocktails an den Straßenständen schmecken. Cartagena ist eine lebendige Stadt die viele Touristen anlockt.


Am Samstag morgen fahren wir mit einem Taxi zum Flughafen und treffen dort Juan und seine Eltern. Durch einen netten Hinweis des Brasilaniers Jonas, den wir im Hafen kennengelernt haben, haben wir eine Reservierung für einen Rückflug aus Panama. Die Panamaische Regierung verlangt bei der Einreise als Tourist auch ein Ticket für einen Rückflug. Zwar haben wir gehört, dass unter Umständen das Zolldokument, welches die Verschiffung unseres Bullis bestätigt ebenfalls anerkannt wird, dennoch gehen wir auf Nummer sicher.
Dass sich dies rentiert erfahren wir, als wir Juan nach dem Boarding nicht im Flugzeug entdecken und wir nach der Landung die Nachricht bekommen, dass ihnen genau das fehlende Rückflugticket zum Verhängnis wurde und das Zolldokument nicht anerkannt wurde. Sie durften den Flug nicht antreten.

In den nächsten Tagen erkunden wir die Altstadt und das moderne Bankenviertel von Panama-City. Die Stadt hat viele amerikanische Einflüsse, angefangen bei den großen Autos, bis hin zu den fehlenden Gehwegen und den für uns ungewohnten hohen Preise.

Mit der Metro und dem Bus fahren wir zu den Mirafloresschleusen. Die Schleusen an der Pazfikseite des Panamakanals sind vor allem für ihre Lokomotiven bekannt, die die Schiffe durch die Schleusentreppe führen. Leider verpassen wir bei der Ankunft um acht Uhr den Konvoi der einlaufenden Schiffe und müssen bis mittags warten um die Schleusung der Schiffe der Gegenseite beobachten zu können.

Es ist beeindruckend die riesigen Ozeanriesen so nah in den Schleusen zu beobachten.

Nach drei Tagen in Panama City machen wir uns auf den Weg nach Colon, um den Bulli in Empfang zu nehmen. Da die transozeanische Eisenbahn wegen der Pandemie noch nicht wieder fährt, legen wir die 90 km mit dem Bus zurück.
Beim Kaufen der Tickets werden wir fast übers Ohr gehauen, als man uns statt der fälligen 3,20 $ ganze 25 $ für die Fahrkarten abknüpfen will.

In Colon wartet schon unserer Agent, der für uns die Zollpapiere erledigt. Dies benötigt Zeit und wir besuchen die nach Hongkong größte Freihandelszone der Welt in Colon, was aber eher eine Enttäuschung ist. Colon hat den Ruf eine unsichere Stadt zu sein. Wir fühlen uns auch nicht so richtig wohl. Da es auch noch zu regnen beginnt, verbringen wir die Zeit in einer McDonalds Filiale.

Nach dem ersehnten Anruf aus dem Hafen, bringt uns ein Taxi zum vereinbarten Treffpunkt. Anders als in Cartagena befinden wir uns diesmal nicht auf dem Hafengelände sondern auf einem Schotterparkplatz neben einer Schnellstraße. Der Container befindet sich noch auf einem LKW. Boris der Agent vor Ort, lächelt nur als er unserer verwirrten Blicke sieht. „Es kommt gleich ein Abschleppwagen, dann können wir entladen“.
Das Ausladen geht tatsächlich schneller als gedacht und wenig später stehen beide Bullis und das Motorrad von Gustavo auf panamaischem Boden.

Ausladen auf panamaisch.

Als Letztes erfolgt nun noch die Inspektion der Polizei. Da es mittlerweile wieder angefangen hat zu regnen meint Borris, dass die Kontrolle mit hoher Wahrscheinlichkeit eher übersichtlich ausfällt.
Den konkreten Sinn der Kontrolle können wir ohnehin nicht ganz nachvollziehen, in der gut 45 minütigen Wartezeit auf die Polizei hätten allerlei Dinge den Container oder den Bulli verlassen können.

Alle glücklich in Panama angekommen.

Als die Polizei schließlich kommt, hat der Regen sich nochmal verstärkt. Es werden nur schnell die Fahrgestellnummern abgeglichen. Nach den Erfahrungen der letzten Tage wundern wir uns nicht wie tonnenweise Drogen aus Kolumbien in die Welt exportiert werden können. Uns soll es egal sein, wir sind froh den Bulli unbeschadet ein zweites Mal verschifft zu haben und starten voller Vorfreude auf den neuen Kontinent!

Wiedersehensfreude und Abenteuer in Medellín

Am fünften April erreichen wir Kolumbien und fahren durch die tollen Berglandschaften im Süden des Landes. Weil wir wegen des Verschiffungstermins von Cartagena nach Colon (siehe Exkurs in diesem Blogbeitrag) nicht mehr viel Zeit haben, fahren wir ohne große Zwischenstopps durch die unglaubliche Hitze (und die vielen Staus) bis nach Medellín, wo wir uns zuerst über das angenehme Klima in der „Stadt des ewigen Frühlings“ freuen. Hier treffen wir Sofia Pelaez, die als Austauschschülerin 2014 in meiner Klasse war. Wir werden unglaublich herzlich von ihrer Familie aufgenommen und dürfen bei ihnen im Gästezimmer schlafen. Wir essen gemeinsam und bekommen viele wertvolle Tipps zu Kolumbien und den weiteren Ländern auf unserer Route in Richtung Norden.

In Medellín besuchen wir das Museum of Modern Arts und verbringen viel Zeit mit Sofia und ihren Freunden. Über ihren Freund Andrés bekommen wir Kontakt zu einem Guide, der Graffiti-Touren durch die Comuna 13 anbietet. Das ist das Stadtviertel, das über Jahre hinweg das Zentrum der Auseinandersetzung zwischen Sicherheitskräften, rechten Paramilitärs und der linken FARC-Guerilla war. Alleine im Jahr 1991 wurden ungefähr 6700 Menschen in Medellin getötet, 18 Menschen pro Tag. Noch vor zehn Jahren starb ein Kind im Kreuzfeuer eines Gefechts.

Das Bild, das wir uns von diesem Stadtteil machen konnten ist ein anderes. Die Comuna 13 ist bunt, voller Straßenkunst, Musik und Tanz. Unser Guide hat uns viel über die Geschichte des Viertels erzählt, die sich immer wieder auch in den tollen Graffitis widerspiegelt. Es haben sich in den letzten Jahren mehr und mehr Kulturzentren gebildet, die eine Perspektive bieten: Kunst statt Kriminalität. Unser Guide gehört zur „Casa Kolacho“, einer Art Jugendtreff, der Beschäftigung und Vorbilder bietet. Interessierte können hier kostenlos von den Möglichkeiten des Zentrums profitieren. Angeboten werden Breakdance-, Rap-, Graffiti- und DJ-Förderung. Das große touristische Interesse an der Geschichte und der Gegenwart des Viertels wird genutzt und in das Viertel reinvestiert.

Abends nimmt uns Sofia mit in das Nachtleben von Medellín. Zuerst schauen wir in der WG von Andrés vorbei, in der alle etwas mit Graphikdesign machen. Es macht Spaß sie beim Arbeiten zu beobachten und wir werden bereitwillig in die Welt der Kreativen eingeführt. Später gehen wir in einen Techno-Club, dessen Musik nicht ganz Moritz und meinem Geschmack entspricht. Von den vielfältigen Auswahlmöglichkeiten für den (nach) Mitternachtssnack ist aber vor allem Moritz hin und weg.

Wir machen uns irgendwann auf zu einer anderen Location, in der Sofias Schwester Valeria mit ihren Freunden ist. Als wir ankommen ist das Garagen-Rolltor zu. Sofia klopft und es wird ein wenig hochgezogen. Valeria und eine Mitarbeiterin des Clubs stehen dahinter. Auf die Aussage: „Die gehören zu mir“ von Valeria werden wir reingelassen und befinden uns in einem leeren Burgerladen. Aus dem Keller kommt uns Reggaeton-Musik entgegen. Unten angekommen tanzen ungefähr 60 Menschen zu der lauten Musik oder holen sich Drinks an der Bar. Moritz und ich sind ein bisschen perplex über diese Situation und freuen uns sehr dank Sofia hier gelandet zu sein.

Als hätten wir nicht schon genug von Sofia und ihrer Familie profitiert werden wir zum Wochenende auch noch in die Finca etwas außerhalb der Stadt eingeladen. Von hier aus fahren wir mit Sofia, Andres und einem weiteren Freund zum Campen zum See Guatape. Weil es viel geregnet hat ist die Wiese völlig durchnässt. Wir hinterlassen ganz schön tiefe Spuren (sorry nochmal) und kommen nur wegen unserer Sandboards und tatkräftiger Unterstützung vom Fleck. Wir haben einen richtig coolen Abend mit Lagerfeuer und einfach eine tolle Zeit.

Bevor wir uns am nächsten Tag weiter auf den Weg in Richtung Norden machen, werden wir noch zu zwei Badestellen im Fluss mitgenommen. Stellen, die wir alleine nie gefunden hätten und die wir deshalb umso mehr genießen. Wir sind sehr dankbar für die unglaubliche Zeit zusammen und die Gastfreundschaft und Großzügigkeit, die wir hier erfahren durften, wir haben es sehr genossen. Es war wirklich schön Sofia nach acht Jahren wieder zu sehen und bemerkenswert, dass wir uns nach dieser langen Zeit immer noch richtig gut verstehen.

Die zweite Badestelle bot auch Sprungstellen.

Es geht nun aus dem angenehmen Klima Medellíns weiter zur Atlantikküste des Landes, wo wir das erste Mal die Ausläufer der Karibik begrüßen dürfen. Die Stimmung in Covenas, wo wir drei Tage verbringen, gefällt uns auf jeden Fall gut. Wir liegen gut im Zeitplan und kommen einige Tage vor dem Verschiffungstermin in Cartagena an. Weil unser „Container-Buddy“ nur wenige Tage vor dem Termin mit einem Motorschaden in Bogotá festsitzt, ist uns Angst und Bange, er bekommt den Schaden aber gerade rechtzeitig repariert und der Termin kann wahrgenommen werden. Die Zeit bis wir das Auto im Hafen abgeben müssen verbringen wir am Meer, wo wir einen Stellplatz auf dem breiten Strand haben. Wir vertreiben uns die Zeit mit kiten (leider etwas wenig Wind), Schach spielen und baden.

Ecuador – Gastfreundlichkeit am Äquator

Die Grenze zu Ecuador bereit keine Probleme. Da die Grenzbeamten beider Parteien in einem binationalen Komplex untergebracht sind, verlaufen die Grenzformalitäten schnell und reibungslos.
Nach Abschluss des Grenzprozesses verlassen wir den Grenzübergang und passieren die Polizeikontrolle am Ausgang, normalerweise werden hier alle Dokumente und Stempel kontrolliert, also kurbeln wir die Fenster runter, werden aber nur komisch angeschaut. Sekunden später verstehen wir die Blicke.
Es handelt sich um eine Desinfektionsdusche fürs Auto, die bei uns auch den Innenraum erreicht.

Das sechste Land auf unserer Reise

Direkt hinter der Grenze beginnen Bananenplantagen die Landschaft zu säumen. Wir teilen uns die Straße mit unzähligen Chiquita-Kühllastern. Als Stellplatz gönnen wir uns heute ein Hotel, das auch die Übernachtung im Auto gestattet. Nach einigen Verhandlungen dürfen wir den Pool benutzen und bekommen Abendessen und Frühstück für 30 Dollar. Wir sind die einzigen Gäste und genießen den Luxus des Pools. Abends fängt es an zu Regnen und wir sind froh die überdachten Sitzplätze nutzen zu können.

Zum Frühstück gibt es Patacon (Kochbananen) mit Rührei und nachdem wir den Vormittag noch im Pool verbringen, machen wir uns auf den Weg nach Norden. Neben dem Anbau von Bananen ist Ecuador auch für den Kakaoanbau bekannt. An einem Straßenstand kaufen wir Schokolade die als handgemacht und 100% organico bepriesen ist. Unterschieden wird zwischen dulce (süß) und amarga (bitter). Wir probieren beide. Während die Süße schon sehr herb ist, ist die Bittere für uns ungenießbar. Der Verzehr bitteren Schokolade wirkt bei mir noch 2 Tage nach.

Über die perfekt ausgebaute Panamericana, Ecuador hat bisher die mit Abstand besten Straßen, fahren wir in Richtung des Cotopaxi-Nationalparks. Zuvor übernachten wir in einem Dorf nahe Pujili am Dorfplatz, der auch einen Bolzplatz hat.
Beeke, die schon seit Monaten auf Fussballentzug ist, beginnt mit den Kindern Fußball zu spielen. Später spielen wir noch Volleyball und packen unsere Frisbee aus. Die Vertständigung gelingt mit den Kindern besser als mit den Erwachsenen. Wir werden gefragt wie viel Fußbälle wir zuhause haben und wundern uns aber über diese merkwürdige Frage. Wir merken, dass sie gerne unseren Ball behalten möchten und schenken ihnen unseren Volleyball.
Am nächsten morgen zeigt uns Eduardos Vater das Dorf und wir machen uns auf den Weg zum Cotopaxi.

Fußballspielen am Dorfplatz

Der Cotopaxi ist einer der höchsten aktiven Vulkane der Welt und überragt mit seinen 5897 m die Landschaft. Leider ist er bei unserer Ankunft vollkommen in den Wolken verschwunden. Wir übernachten auf dem Campingplatz des Nationalparks und sind bis auf ein anderes Zelt wieder einmal die einzigen. Die Gruppe mit Zelt bricht ihren Aufenthalt allerdings schon am späten Abend ab, als die Temperaturen unter 5 Grad sinken. Schon vor Sonnenaufgang stehen wir auf und bereiten uns für eine Wanderung im Nationalpark vor. Beim ersten Blick in den Himmel sind wir enttäuscht, denn es sieht wieder einmal sehr bewölkt aus. Als wir aber starten ragt der wunderchöne Vulkan in einen wolkenfreien Himmel. Bis er sich nach der dreistündigen Wanderung um eine Lagune wieder in Wolken hüllt.

Quito, die Hauptstadt Ecuadors, liegt auf 2800 m und kann mit einer schönen Innenstadt überzeugen. Im Gegensatz zu anderen südamerikanischen Großstädten hinterlässt sie allerdings keinen allzu bleibenden Eindruck. Wir besuchen ein Geschäft für sogenannten Panama-Hüte, die aber ursprünglich aus Ecuador stammen. Der nette Verkäufer erklärt uns die verschiedenen Hüte, die je nach Faserstärke bis zu 28.000 € kosten können. Die günstigen bekommt man für etwa 200 €.


Kurz nach Quito überqueren wir den Äquator. Es gibt ein kleines Museum in dem eine Sonnenuhr genau auf den Äqutor gebaut wurde. Der Äquator wurde bereits vor einigen Jahrhunderten von den Inka exakt bemessen. Sie konnten aufgrund der markanten Berge die Sonnenwende am 21.6 und 21.12 genau beobachten. Nach der informativen Führung, unterhalten wir uns mit Manuel über unsere Reise und er lädt uns ein, bei ihm im Garten zu übernachten und gemeinsam Abend zu essen. Da er noch arbeiten muss verabreden wir uns bei ihm und fahren in die nächste Stadt um für das Abendessen einzukaufen. Manuel wohnt mit seiner Freundin Selena in ihrem gerade erst fertig gewordenen selbstgebauten Haus. In der eher spartanischen Einrichtung sticht der professionelle Pizzaofen heraus. Es wird eine sehr lustiger Abend, wir erfahren viel über das Leben in Ecuador und essen die beste selbstgemachte Pizza die wir bisher gegessen haben.

Nach einem gemeinsamen Frühstück machen wir uns auf den Weg an die kolumbianische Grenze. Bemerkenswert sind hier die Spuren, die die venezolanische Flüchtlingsbewegung hinterlassen hat. Es stehen sehr viele große Zelte, UN-Container und Wartebereiche zur Verfügung, die aber zum Zeitpunkt unserer Anwesenheit weitestgehend leer standen. Mehr als sechs Millionen Venezolaner haben bereits ihre Heimat verlassen, sie fliehen vor der unglaublichen Misswirtschaft, der Gewalt und der Perspektivlosigkeit im Land.

Wüste, Canyons und Party in Lima

Wir verlassen Arequipa am 18. März wieder in Richtung Pazifik und finden einen schönen Stellplatz direkt am Strand, aber natürlich erst, nachdem wir uns einmal im Sand festgefahren haben, wir müssen uns ja treu bleiben. Dank weniger Reifendruck und unseren Sandblechen kommen wir aber zügig wieder aus dem tiefen Sand heraus und können den Sonnenuntergang und den menschenleeren Strand genießen.

Unser Weg führt uns dann immer weiter an der Küste entlang in Richtung Norden. Wir bringen viel Strecke hinter uns und befinden uns mitten in kargem Wüstenland. Einen kurzen Zwischenstopp machen wir an den sogenannten Nazca-Linien, das sind Geoglyphen oder Scharrbilder, die vor ungefähr 2000 Jahren von der Nazca- und Paracas-Kultur in die Erde gezeichnet wurden. Von Aussichtspunkten kann man ein Blick von oben auf sie werfen. Die Bedeutung der Bilder und zum Teil kilometerlangen geraden Linien ist bis heute nicht ganz sicher geklärt. Wahrscheinlich haben sie einen religiösen Hintergrund und waren Teil von Fruchtbarkeits- und Wasserritualen. Einige Linien haben auch einen astronomischen Hintergrund und geben zum Beispiel Sonnenwendpunkte an.

Ein weiteres Highlight der Strecke stellt die Oase Huacachina in der Nähe der Stadt Ica dar, der ursprünglich von einem unterirdischen Fluss aus den Anden gespeist wurde. Ein kleines blühendes Paradies mitten in den Sanddünen der Wüstenlandschaft. Der Wasserspiegel der Oase ist allerdings wegen des gestiegenen Wasserverbrauchs in Folge des Tourismus-Booms 1988 trockengefallen. Seitdem wird Wasser aus der nahegelegenen Stadt über Rohre hinzugeführt.

Die Oase Huacachina.

Schon an der Orteinfahrt des kleinen Ortes werden wir von unzähligen Tour-Guides in Empfang genommen, einer lotst uns zu einem Parkplatz. Anschließend möchte er uns eine Tour mit dem Sandbuggy vermitteln. Wir haben eigentlich kein Interesse – wir wollten uns die Oase nur anschauen und ein bisschen durch den Sand spazieren. Der Preis für die Buggyfahrt sinkt so (fast) von ganz allein von 100 Soles um die Hälfte auf 50 Soles (12,50 €). Wir willigen also ein und werden zur Oase und zu einem der ungefähr 50 Buggys gebracht, die neben der Oase parken und auf Touristen warten. Die Fahrt ist rasant und macht viel Spaß. Bei einem Zwischenstopp können wir auf Sandboards die Düne heruntersurfen. Zurück an der Oase bewundern wir den wunderschönen Sonnenuntergang über der Wüste.

Ein bekannter Kite-Spot in Peru ist Paracas. Hier verbringen wir ein paar Tage und freuen uns erneut über den Spaß, den uns Kitesurfen bereitet. Die Bedingungen sind super und der Wind kommt verlässlich und stetig. Die Stimmung am Spot, umgeben von Kitehotel und -schulen und der obligatorischen Beach-Bar ist sehr entspannt und lädt uns zum Bleiben ein. Wir trinken den „National-Drink“ Perus: einen Pisco-Sour, dessen Hauptbestandteil der Pisco, ein Traubenschnaps darstellt.

In Großstädten ist die Suche nach einem geeigneten, gut gelegenen (und bezahlbaren) Stellplatz für den Bulli oft nicht so einfach. Wir kommen abends in Lima an und wissen nicht so recht, wo wir übernachten können. Manchmal kann man auf überwachten Parkplätzen stehen, hier werden jedoch alle Plätze um 21 Uhr abgeschlossen. So landen wir schließlich auf dem Parkplatz eines Restaurants, wo wir schlafen dürfen, wenn wir vorher etwas essen. Es sollte sich als das teuerste Essen herausstellen, das wir bis dahin auf unserer Reise gegessen haben, immerhin hat es aber auch gut geschmeckt.

Das Restaurant zum Stellplatz.

Später gehen wir noch etwas im Viertel spazieren und geraten mitten in eine große „Fußball-Party“. Peru spielt in der WM-Qualifikation gegen Uruguay. Unzählige Menschen feiern auf der Straße, haben Trommeln, Trompeten und Posaunen dabei und tanzen. Peru verliert das Spiel, was der Stimmung allerdings keinen Abbruch tut: es folgen Bengalos und ein Feuerwerk, die Menschen ziehen durch die Stadt und legen den Verkehr lahm. Wir freuen uns sehr dieses Spektakel miterleben zu können. Die Stimmung ist friedlich und alle feiern das Leben, niemand pöbelt und alle fiebern mit.

Stimmung während des Spiels.
Stimmung nach Abpfiff des Spiels – Peru hat verloren.

Am nächsten Tag erkunden wir auf Fahrrädern die Stadt und finden einen besseren Stellplatz im gehobenen Viertel am Stadtpark. Bevor wir Lima wieder verlassen schauen wir uns noch den historischen Stadtkern an, der wie in allen südamerikanischen Großstädten von der zentralen Plaza beherrscht wird und von kolonialen Prachtbauten umgeben ist.

Wir fahren wieder ins Landesinnere, wir möchten uns den Nationalpark Huascarán, rund um den gleichnamigen Vulkan ansehen und wandern gehen. Vorher kümmern wir uns aber um unser Auto, das uns seit fast fünf Monaten als Zuhause dient, ungefähr die Hälfte unserer Reise ist schon vorbei. Der Bulli bekommt deshalb ein bisschen Pflege und ein neues Filterset verpasst. Wir haben jeweils einen neuen Diesel-, Luft- und Innenraumfilter aus Deutschland mitgebracht, die nun eingebaut werden können. Außerdem haben wir in Lima nach ganz schön langem Suchen und einigem Hin und Her neues Öl gekauft, nach ungefähr 20.000 km in Südamerika ist auch ein Ölwechsel mal wieder fällig.

Der Weg ins Landesinnere führt mal wieder über abenteuerliche Straßen, die hier in besonders schlechtem Zustand sind: nur wenige Teile sind asphaltiert und Schlaglöcher prägen die schlammige Straße. Kurz vor dem Ort Huaraz machen wir halt und wandern zur Laguna Wilcacocha. Der Anstieg ist steil und wir merken die dünne Luft auf 3400 m, der Weg belohnt uns aber immer wieder mit wunderbaren Ausblicken über das Tal und die Andenkordillere. Die Lagune selbst ist weniger sehenswert, ihre Lage auf der Spitze des Berges allerdings schon. Zurück auf der Straße werden wir mal wieder Leidtragende einer Straßensperre, diesmal geht es um die zu hohen Spritpreise im Land. Wieder wundern wir uns über die Prioritätensetzung der Protestierenden: ein Krankenwagen mit Blaulicht und Sirene kommt erst nach lange Diskussion und vielem Hin und Her durch. Wir können uns in kleinen Läden am Straßenrand aber noch mit Eiern, Mehl und Milch ausstatten und überbrücken die (unbestimmte) Wartezeit mit Pfannkuchen. Als es schon dunkel ist wird die Sperre aufgehoben und wir können weiterfahren.

Eigentlich möchten wir am nächsten Tag eine weitere Wanderung machen und den Vulkan in seiner schneebedeckten Pracht bewundern. Allerdings entschließen wir uns dagegen und stehen stattdessen um fünf Uhr morgens auf, um möglichst viel Strecke in Richtung der ecuadorianischen Grenze hinter uns zu bringen. Warum?

Exkurs:
Die Panamericana – die längste Straße der Welt, die von Alaska bis nach Feuerland führt, hat eine Lücke. Im Darién-Regenwald zwischen Kolumbien und Panama fehlt ein Stück der Straße. In Kolumbien hört die Straße im Ort Turbo auf, in Panama in Yavize, beide Orte liegen nur 100 km auseinander. Die Gründe dafür, dass die Lücke nicht geschlossen wird, sind neben den naturgegebenen Schwierigkeiten des (fast) undurchdringbaren Regenwaldes und Guerilla-Kriegen, die in dem Gebiet herrschen, vor allem politischer Natur. Schon jetzt ist der Weg durch den Regenwald für viele Flüchtlinge aus Südamerika das Nadelöhr in Richtung der USA, diese will wohl verhindern, dass die Fluchtroute noch verstärkt genutzt wird.

Eine Podcast-Empfehlung für das Thema:
Weltspiegel Podcast – Der Darién-Gap: Die gefährlichste Fluchtroute in die USA (verfügbar zum Beispiel in der ARD-Audiothek).

Um also von Kolumbien mit dem Auto weiter in Richtung Nordamerika zu kommen, bleibt nur der Weg über das Wasser, von Cartagena in Kolumbien nach Colon in Panama. Wir müssen den Bulli also noch einmal verschiffen. Weil wir viele Berichten über Einbrüche und Diebstähle auf der nur eintägigen Überfahrt gehört haben bevorzugen wir die Verschiffung im Container. So ist sichergestellt, dass niemand sich am Auto zu schaffen macht (und auch nichts hineintut, was dort nicht hingehört). Diese Art zu verschiffen ist (seit der Corona-Pandemie) deutlich teurer geworden, weshalb wir uns am liebsten einen 40 ft. Container mit einem anderen Reisenden teilen würden – die Kosten werden dementsprechend geringer. Das Problem ist, dass wir auf den einschlägigen Portalen und Gruppen niemanden finden, der zumindest ungefähr zur gleichen Zeit die Strecke zurücklegen möchte, auch haben wir schon lange keinen anderen Wohnmobilreisenden mehr getroffen, wir sind zu der Zeit, an dem Ort und in diese Richtung mehr oder weniger die Einzigen. Wir wenden uns zuletzt an eine vielempfohlene Agentin, die das bürokratische Drumherum für uns erledigen soll. Tatsächlich hat sie eine Anfrage von einem Ecuadorianer, der sein Auto ebenfalls von Kolumbien nach Panama verschiffen möchte. Der einzige Haken: er schlägt den 15. April als Datum vor. Wir haben also für die Strecke von Huaraz, ungefähr in der Mitte Perus, bis an die Atlantikküste Kolumbiens, 3300 km, nur zwei Wochen Zeit. Dabei wollen wir uns Ecuador und Kolumbien natürlich auch noch ansehen. Angesichts der großen Kosten, die wir uns sparen, wenn wir „gemeinsame Sache“ machen, nehmen wir das aber gerne in Kauf.

Deshalb also entscheiden wir uns gegen die Wanderung und für die schnelle Weiterfahrt.

Der Weg aus dem Nationalpark zurück an die Küste führt uns über die bisher wohl beeindruckendste und heftigste Straße. Entlang eines Canyons schlängeln wir uns Höhenmeter für Höhenmeter hinunter ins Tal, rechts von der Straße geht es bis zu 300 m in die Tiefe. Links geht die Felswand hundert Meter in die Höhe. Immer wieder müssen wir Schlaglöchern ausweichen oder Geröll, das auf der Straße liegt. Wir sind froh, dass nichts während unserer Fahrt runterkommt.

Die Straße in den Canyon, der immer tiefer und tiefer wird.

Abends kommen wir in der Stadt Trujillo an, wir sind wieder am Meer. Hier befinden sich die Ruinen Chan-Chan, die von einem großen Volk erbaut wurden und dessen Regiment erst nach langer Belagerung von den Inka gestürzt werden konnte. Kurz vor der Schließzeit führt uns ein Guide durch die alte Lehmstadt und die Tempelanlagen und erklärt uns die durchdachte Infrastruktur und die Kultur des Volkes.

Bevor wir über die Grenze nach Ecuador fahren wollen wir noch einmal kiten gehen, am Spot in Máncora ist aber leider kein Wind. Nach einem weiteren sehr schönen Sonnenuntergang über dem Pazifik und der insgesamt dritten Reifenreperatur (jedes Mal musste der Reifen hinten rechts geflickt werden), dieses Mal für umgerechnet 2,50 €, kommen wir am 31. März im Grenzort Tumbes an, wo wir ohne größere Probleme die Grenze überqueren können.

Wir freuen uns auf Ecuador und sind dabei etwas traurig, dass wir nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung haben, um das Land zu entdecken.

Machu Picchu – im Reich der Inka

Am 09. März fahren wir nach Peru. Wir schlafen kurz hinter der Grenze und möchten dann möglichst schnell wieder niederigeres Terrain erreichen. Mittlerweile leuchten drei Warnleuchten im Armaturenbrett und unsere Hoffnung ist, dass der Dieselpartikelfilter sich freibrennt, wenn wir uns wieder auf Meeresniveau befinden. Deshalb lassen wir die Stadt Puno am nördlichen Ende des Sees aus und fahren auf direktem Weg zum Meer. Auf dieser Strecke haben wir erneut Pässe mit bis zu 4700 m zu überwinden, bevor es durch wechselnde Landschaften bergab geht. Zum Glück schaltet sich nicht das Notprogramm des Autos an.

In Ilo am Pazifik angekommen ist das Problem aber leider noch nicht von selbst verschwunden. Wir fahren in insgesamt zwei verschiedene Werkstätten, die sich beim Versuch uns zu helfen aber beide nicht mit Ruhm bekleckern. In der ersten Werkstatt stellt der Mechaniker nach zehn Minuten, in denen Moritz unser Problem erklärt und er die Motorhaube ausführlich inspiziert hat, die These auf, dass es helfen könnte besseres Benzin zu tanken. Moritz verbessert ihn: „Diesel“. Woraufhin der Mechaniker aus allen Wolken fällt: „Ach! Das ist ein Dieselauto?!“. Ja. Bei unserem Auto, das ein Problem mit dem DIESELpartikelfilter hat, handelt es sich um ein Dieselauto.
Er kann uns nicht weiterhelfen und verweist uns an die nächste Werkstatt. Hier werden drei verschieden Diagnosegeräte angeschlossen und mit dem Support des Diagnosegerätherstellers telefoniert. Immerhin sind am Ende der Prozedur die Warnleuchte für die Glühwendel und die Motorkontrollleuchte erloschen. Für den Urheber des Problems, die DPF-Leuchte, hat aber auch er keine Lösung. Wir verabschieden uns und probieren nun erneut das Auto in den Regenerationsmodus zu bekommen, indem wir 15 Minuten lang bei 70 km/h im vierten Gang fahren. Es klappt!

Wir sind sehr erleichtert, dass unser Armaturenbrett nicht mehr aussieht wie eine Discokugel und fahren zum Schlafen auf einen Strandparkplatz. Wir verbringen zwei Tage am Strand und haben einen coolen Stellplatz an einer kleinen Bucht, wo außer uns nur Fischer sind.

Als nächstes fahren wir nach Arequipa, wieder ins Landesinnere Perus. Arequipa ist eine sehr schöne Stadt, mit viel Kolonialarchitektur. Wir statten dem lokalen Museum einen Besuch ab und nehmen an einer Führung durch die Ausstellung von Fundstücken aus der langen Zeit der Inka-Dynastie in Peru teil. In der Stadt treffen wir auf viele Europäer, die in einem der diversen Hostels untergekommen sind.


Ursprünglich war unser Plan von hier aus zur sagenumwobenen Inka-Stadt Machu Picchu zu fahren, weil wir unserem Bulli die Höhe aber nicht noch einmal zumuten möchten, nehmen wir uns einen Mietwagen. Wir nutzen die Chance auf ein bisschen Offroad-Abenteuer (mit geeignetem Auto) und mieten einen Ford Ranger, mit 4×4-Antrieb, Differenzialsperre und Untersetzung. Moritz ist begeistert. Wir fahren über Nebenstraßen nach Ollantaytambo, kommen durch wunderschöne Berglandschaften und an diversen Schaf-, Lama-, Alpaka- und Vicunaherden vorbei.

„Unser“ Ranger.
Eine der vielen Lama-/ Schafherden

In Ollantaytambo angekommen schlafen in der Nähe des Bahnhofs. Der Besuch von Machu Picchu ist nämlich nicht „mal eben so“ durchzuführen, sondern Bedarf eines Raketenphysikstudiums (naja zumindest fast). Es führt keine Straße bis nach Agua Calientes, dem Ort am Fuße Machu Picchus, sondern kann der Ort nur mit dem Zug oder durch eine mehrtägige Wanderung erreicht werden. Von hier aus kann man mit Shuttle-Bussen oder zu Fuß über unzählige Treppenstufen in die Inka-Stadt gelangen. Für diese muss im Voraus ein Zeitslot und eine von vier möglichen Routen durch die Stadt (man ist also in Machu Picchu und kann trotzdem nicht alles sehen) gebucht werden. Zugankunft und Zeitslot müssen natürlich bestmöglich kompatibel sein, was aber nicht so einfach ist, weil Macchu Pichu DIE Touristenattraktion Perus ist. Teilweise sind die Zeitslots – je nach Route durch die Stadt – auf Monate hinweg ausgebucht. Wir bekommen es nach ein bisschen Recherche aber gut hin und sind pünktlich zur Abfahrt des Zuges um 6 Uhr am Bahnhof.

Wir entscheiden uns dafür vom Bahnhof in Agua Calientes bis auf den Berg zu laufen. Es sind ungefähr 400 Höhenmeter auf Stufen zu überwinden. Das ist einigermaßen anstrengend, lohnt sich aber für das Gefühl, sich Machu Picchu „verdient“ zu haben. Der Gang durch die Ruinen der ungefähr zwischen 1300 und 1450 gebauten Stadt ist dann ebenfalls ziemlich beeindruckend. Wahrscheinlich diente sie wegen ihrer Lage in gemäßigten Höhen („nur“ auf 2430 m) dem Herrscher aus der Inka-Hauptstadt Cusco als Wintersitz. Es konnten durch die terrassenförmigen Felder bis zu 1000 Menschen ernährt werden und die Art und Weise der Architektur und des Städtebaus war sehr durchdacht. Leider haben wir ein bisschen Pech mit dem Wetter und können das wunderbare 360°-Bergpanorama nicht richtig bestaunen. Das berühmte Machu Picchu mit eigenen Augen zu sehen ist aber trotzdem einfach richtig toll.

Unser Weg nach oben.

Wir sind insgesamt ziemlich überwältigt von den Menschenmassen, die sich rund um das „Phänomen“ der Inka-Stadt versammeln. Aus jeder Ecke bieten sich Einwohner als Guides an, möchten uns Kellner in ihre Restaurants einladen oder wollen fliegende Händler traditionelle Kleidung der Indigenas verkaufen. An jeder Ecke gibt es Hostels und Unterkünfte. Es ist wirklich unglaublich wie viele Menschen ihr Geld mit diesem Touristenmagneten verdienen. In jeder größeren Stadt in Peru, und sei sie noch so weit entfernt, kann man Machu Picchu-Touren buchen, Andenken kaufen oder Inka-Museen besuchen.

Zurück in Ollantaytambo machen wir uns auf den Rückweg, um den Mietwagen wieder gegen unseren Bulli einzutauschen. Wir machen eine Nacht halt in der Hauptstadt des ehemaligen Inka-Reiches, Cusco. Das Reich umfasste zu Zeiten seiner größten Ausdehnung die Gebiete vom südlichen Kolumbien bis Mittelchile. Auf die Grundmauern der prächtigen Inka-Tempel und Paläste bauten die Kolonialherren nicht weniger prächtige Kirchen und Residenzen. Wenn Erdbeben die Region aufsuchten, was keine Ausnahme war, hielten häufig nur die von den Inka gelegten Grundmauern stand, die Kolonialarchitektur dagegen war der Wucht der Erde nicht gewachsen.

Um uns auf den unfassbar schlechten Schlamm- und Schlaglochstraßen auf dem Rückweg nach Arequipa fortbewegen zu können, nutzen wir allen „Schnick-Schnack“ des Rangers. Trotz der Offroad-Ausrüstung benötigen wir für einen 70 km langen Abschnitt aber drei Stunden. Spaß macht es aber trotzdem (vor allem Moritz). In Chivay, ungefähr drei Stunden Fahrtzeit vor Arequipa, wollen wir eigentlich einen Abstecher in den wohl sehr sehenswerten Kolka-Canyon machen. Wegen einer Straßensperre kommen wir aber weder vor noch zurück. Wir sprechen mit einem Brasilianer, der ebenfalls durch die Straßensperre aufgehalten wird. Es stellt sich heraus, dass er bereits seit zwei Tagen dort steht. In der Nacht wurden auf der Straße Feuer entzündet, um ein Weiterfahren auch in Abwesenheit der meisten Protestierenden zu verhindern. Einen Umweg gibt es quasi nicht (Nur mit 350 km mehr – und das bei den schlechten Straßen und dem entsprechenden Tempo). Niemand weiß wie lange die Sperre dauert. Vielleicht nur noch ein paar Stunden, vielleicht ein paar Tage.

Wir erfahren, dass es um die Wasserrechte geht: große Teile des Wassers in Peru sind privatisiert und die Bauern protestieren dagegen. Der Protest scheint uns gerechtfertigt zu sein. Allerdings erfährt Moritz von einer Frau vom Katastropghenschutz, dass ein Erdbeben im Kolka-Canyon die Straße und rund 100 Häuser völlig zerstört hat. Die Menschen dort warten auf Hilfslieferungen, die wegen der Straßensperre nicht bei ihnen ankommen. Eine Ausnahme für die Hilfsarbeiter, die wir auf der anderen Seite der Sperre mit Leitern, Rohren und anderen Hilfsmitteln ausgestattet erspähen können, wird nicht gemacht. Aus unserer Sicht eine sehr zweifelhafte Vorgehensweise. Irgendwann kommt ein Regierungsvertreter und verhandelt mit den Protestierenden, überall sind Polizisten mit Maschinengewehren und Kampfausrüstung. Trotzdem strahlt die ganze Aktion keine negative Stimmung aus, sondern hat eher etwas von einem Volksfest: Die Menschen kochen auf der Straße, es gibt fliegende Händler, die Getränke und Eis verkaufen und es läuft laute Musik. Die Gespräche mit dem Regierungsvertreter verfolgen wir aus der Ferne. Es sind abwechselnd Buh-Rufe mit Pfiffen und Jubel mit Applaus zu hören. Irgendwann, wir stehen bereits seit sieben Stunden an Ort und Stelle, völlig aus dem nichts, bewegt sich etwas. Die ersten Autos fahren los und wir hängen uns mit ran. Wir kommen auf die Minute genau zur Schließzeit der Autovermietung wieder beim Vermieter an und tauschen den Mietwagen wieder gegen unseren geliebten Bulli.

Bolivien – über den Altiplano nach La Paz

Der sowieso schon lange Grenzprozess an der argentinisch-bolivianischen Grenze zieht sich durch die spontanen Pausen der Grenzbeamten noch weiter in die Länge, wir werden aber noch vor Feierabend über die Grenze gelassen. Unsere erste Anlaufstelle ist, wie bisher nach jeder Grenze, ein Geldautomat und ein Telefongeschäft für Sim-Karten. Durch die Karnevalsfeiertage bekommen wir keine SIM-Karte, dafür aber Bargeld am Automaten. Am Abend macht sich das fettige Essen aus Argentinien unangenehm bemerkbar, Beeke geht es nicht gut. Da wir eine Höhenkrankheit zuerst nicht ausschließen können, fahren wir weiter Richtung Norden und reduzieren unsere Höhe von 3400 m auf ca. 2900 m. Am nächsten Morgen erleben wir das bunte Treiben in Tupiza, einer typischen bolivianischen KLeinstadt. Überall düsen Tuk-Tuks umher und die Höhenluft riecht nach Abgasen. Da es Beeke mittlerweile richtig schlecht geht, begebe ich mich alleine auf Entdeckungstour und schlendere durch die kleinen Straßen an denen überall kleine Händler Obst, Gemüse, Fleisch und sonstige Lebensmittel verkaufen. Ich falle überall auf, vor allem weil mir viele Dächer der Verkaufstände gerade einmal bis zur Nase gehen. Natürlich werden die Preise für mich dementsprechend nach oben korrigiert, durch ein paar Verhandlungen lässt sich das aber wieder ausgleichen.

Wir finden einen schönen Stellplatz, in der Nähe eines Flußes. Dieses Mal halten wir von Anfang an genügend Sicherheitsabstand zum Fluss ein. Nachdem es Beeke etwas besser geht brechen wir Richtung Potosi auf. Die sehr gut ausgebaute Straße wird immer wieder von Mautstationen unterbrochen. Man bezahlt ein paar Bolivianos und erhält im Gegenzug eine Quittung. Gegen Vorlage dieser Quittung erhält man an der nächsten Station dann einen Rabatt oder einen Stempel. Allerdings auch nicht immer. Das System durchschauen wir nicht so richtig.

Die Stadt Potosi liegt auf über 4000 m und ist somit eine der höchsten Städte der Welt. Wir drängen uns durch den dichten Verkehr und finden ein bewachtes Parkhaus, in das der Bulli so gerade eben reinpasst. Zu Fuß erkunden wir die Stadt und essen ein leckeres Eis in einer schönen Eisdiele. Potosi hat laut eigenen Angaben die höchste Brauerei der Welt. Am bekanntesten ist Potosi allerdings für seine Minen, in denen früher Silber abgebaut wurde.

Wir übernachten auf einem Fußballfeld in der Nähe eines kleinen Dorfes. Die Nächte sind auf über 3500m Höhe kalt, aber zum Glück arbeitet unsere Heizung auch auf dieser Höhe ohne Probleme. Sucre, die Hauptstadt Boliviens, ist für die vor Ort hergestellte Schokolade und seine prachtvollen Kolonialbauten bekannt. DIe Schokolade schmeckt wirklich hervorragend und viele alte Käfer prägen das schöne Stadtzentrum der Hauptstadt. Da wir in Sucre keinen geeigneten Stellplatz finden, fahren weiter Richtung Norden. Wir geraten mitten in eine Karnevalsfeier. Die Straße ist gesperrt und eine Zuschauertribüne auf den Seiten aufgebaut. Auf der Straße tanzen Menschen in Trachten traditionelle Tänze und werden dabei von den Zuschauern mit Wasserbomben beworfen. Ein unwirklicher Anblick, wie Jung und Alt mit großer Freude Wasserbomben befüllen und werfen. Nach ca. 20 min wird uns eine Umleitung gezeigt, die wir mit unserem Bulli aufgrund einer sehr engen und steilen Passage so gerade eben meistern. Natürlich werden auch wir dabei von den Wasserbomben nicht verschont.

Karneval in Bolivien

Die Straßen Boliviens sind ein einem sehr guten Zustand und sehr wenig befahren. Da nur wenige Menschen sich ein Auto leisten können, teilen wir uns die Straße vorwiegend mit LKWs und Colectivos. Dies sind Kleinbusse, die auf verschiedenen Routen, oft auch abseits der Hauptstraßen, ein preisgünstiges Transportmittel darstellen. Der Spritpreis ist in Bolivien gesetzlich geregelt und entspricht immer noch dem gleichen Preis, der in unserem sechs Jahre alten Reiseführer angegeben ist. Dies ist für das stark inflationäre Südamerika sehr unüblich. Allerdings gilt der Preis, in etwa 0.50 € pro Liter Diesel, nur für Bolivianos. Aus Erzählungen und Reiseberichten haben wir gehört, dass es nicht so einfach sei, als Ausländer an Diesel zu kommen.

An der ersten Tankstelle angekommen erkundigt sich die Tankwärtin sofort nach einer Zoll Nummer, die wir bei der Einreise erhalten haben sollen, wir können allerdings keine Nummer auf unseren Dokumenten entdecken. Enttäuscht wollen wir schon eine andere Tankstelle aufsuchen, als sie uns verdeutlicht, dass das entsprechende Eingabefeld im Computer auch übersprungen werden kann – gegen eine Zahlung von 10 Bolivianos (ca, 1,50€). Ein anderes Mal müssen wir erst den Tankstellenbereich verlassen und können nur über einen alten Wasserkanister den Tank befüllen. Eine etwas merkwürdige Prozedur, aber halb so schlimm wie befürchtet.

Wir erreichen La Paz am nächsten Tag gegen neun Uhr morgens und bleiben sofort im wahnsinnigen Stadtverkehr der Stadt stecken. La Paz besteht eigentlich aus zwei Stadteilen: El Alto, die Obertstadt auf ca. 4100 m Höhe und La Paz auf ca. 3500 m Höhe. Wir wollen nach La Paz und danach von dort aus die legendäre „Carretera de la muerte“ (die sogenannte Todesstraße) fahren. Das Fahren auf den Straßen entwickelt sich zum Nahkampf, sämtliche Tuk-Tuks, Motorräder, Busse und LKWs bahnen sich mit einer großzügigen Auslegung sämtlicher Verkehrsregeln den Weg durch die Stadt. Die Abfahrt von El Alto nach La Paz, windet sich durch schmale Gassen und wird zur einer Belastungsprobe für die Bremsen. Auf halben Weg nach unten, springt die Warnleuchte des Dieselparikelfilters an. Was unter „normalen Umständen“, also auf normaler Höhe, kein Problem darstellt, bereitet uns nun kräftig Sorgen. Durch die anhaltende Höhe kann der Reinigungsprozess des Partikelfilters nicht die benötigte Temperatur erreichen und sich somit nicht selbst reinigen. Verstärkt wird das Zusetzen des Filter zusätzlich durch den stark verschwefeltem Diesel in Bolivien, der die 50-fache Menge an Schwefelanteilen verglichen mit dem Eurodiesel in Europa hat.
Wir beschließen schnellstmöglich (innerhalb der nächsten Tage) von der Altipano-Hochebene in Richtung Pazifik abzufahren und entscheiden uns somit dagegen die Todesstraße fahren. Eine schwierige Entscheidung, aber die Sorge um unser Zuhause siegt in diesem Falle (und unsere Eltern freuen sich auch).

Zuerst wollen wir uns allerdings La Paz anschauen, einen sicheren Parkplatz finden wir am Flughafen der Stadt, der sich jedoch wieder in El Alto befindet – der „Oberstadt“. Aus der „Unterstadt“ müssen wir also wieder Straße für Straße und Kurve für Kurve den Berg zurück nach oben erklimmen. Es ist so steil, dass wir einige Passagen nur mit schleifender Kupplung meistern können. Dass der Bulli ausgerechnet in einer Großstadt mit asphaltierten Straßen an seine Grenzen kommen würde, hätten wir nicht gedacht.

La Paz verfügt über das größte städtische Kabinenbahnnetz der Welt. Aufgrund der extremen Topographie ist dies auch das einzige vernünftige Verkehrsmittel. Wir suchen die nächste Station der „Teleferico“ auf und fahren Richtung La Paz Downtown. Die modernen und aufgeräumten Stationen sind ein starker Kontrast zu dem heillosen Verkehrschaos auf den Straßen und erinnert stark ans Skifahren. In der Gondel treffen wir eine ausgewanderte Schwedin, die uns mit Horrorgeschichten über Busunfälle mit betrunkenen Busfahrern versorgt.

Die Innenstadt ist wuselig, eng und stickig. Aus fast allen Autos steigt schwarzer Qualm aus dem Auspuff. Aus den oben genannten Gründen verzichtet man hier auf jegliche Art der Abgasreinigung.

Wir beschließen mit der „Teleferico“ eine Rundfahrt über den Dächern der Stadt zu unternehmen. Es ist wirklich eine toller Ausblick und eine sehr komfortable Art der Fortbewegung. Beim Blick in diverse Wohnzimmer in der 5., 6. oder 7. Etage direkt neben der Seilbahn glauben wir, dass es nicht nur Befürworter für den Bau der Bahnen gab.

Am nächsten Morgen brechen wir schon um vier Uhr morgens in Richtung des Titicacasee auf, um dem Verkehrschaos zu entfliehen.
Tatsächlich ist die Fahrt aus der Stadt am frühen Morgen entspannter als am Vortag, allerdings werden die Verkehrsregeln nun gar nicht mehr beachtet und wir haben an jeder roten Ampel Angst, dass die Autofahrer mit der Überraschung eines anhaltenden Autos nicht rechnen.

Vielleicht ist die Rot-Grün-Schwäche in La Paz auch einfach nur sehr verbreitet.

Bei einer der vielen Mautstationen geraten wir in eine Polizeikontrolle. Die anfängliche Frage des Polizisten verstehe ich nicht richtig und verneine – die falsche Antwort, denn er fragte nach Warndreieck und Verbandskasten. Ehe wir dies realisieren gebe ich meinen Führerschein ab und fahre an die Seite. Nachdem ich Warndreieck und Verbandskasten vorgezeigt habe, fragt er nach einem Feuerlöscher. Auch diesen können wir vorweisen. Er betrachtet das Manometer, welches nicht ganz im grünen Bereich ist und erklärt mir dass der Feuerlöscher defekt sei. Ich erwidere, dass dieser erst ein halbes Jahr alt ist und bestimmt einwandfrei funktioniert. Kurzerhand zieht der den Stift und fängt an den Feuerlöscher zu betätigen. Mit dem Ergebnis ist er nicht zufrieden. Er verlangt eine Strafe von 700 Bolivianos (ca. 100 €). Ich gebe ihm zu verstehen, dass ich nur bezahle wenn ich im Gegenzug eine offizielle Rechnung erhalte. Nach einer kurzen Pause, bietet er mir 300 Bolivianos ohne Rechnung an. Wir stimmen zu und erkaufen uns somit meinen Führerschein zurück. Wir bezweifeln, dass es in Bolivien überhaupt die Pflicht zur Mitführung eines Feuerlöschers gibt. Während wir festgehalten werden, passieren unzählige Autos ohne jegliche Beleuchtung, ohne Stoßstangen oder Heckscheiben die Mautstation.
Eine Stunde später erreichen wir den Tiiticacasee, mit einem Fährponton setzen wir über und frühstücken im Örtchen Copacabana.

Der Titicacasee liegt auf 3800 m und ist somit das höchste schiffbare Gewässer der Welt. Wir verbringen den Tag in Copacabana und erklimmen am Nachmittag den Berg, der hinter Copacabana emporragt. Unser erster 4000er! Aufgrund der Starthöhe stellt das keine sportliche Meisterleistung dar, allerdings wird die Luft merklich dünner. Der tolle Ausblick entschädigt für den anstrengenden Aufstieg.

Am Abend machen wir uns auf den Weg in Richtung der peruanischen Grenze.

3500 km Roadtrip

Unser Roadtrip startet am 20. Februar, an dem wir abends San Pedro de Atacama in Richtung des Meeres verlassen. Weil der Grenzübergang von Chile nach Argentinien an unserem Standort nicht für Touristen geöffnet ist, müssen wir über 3200 km Umweg fahren, um dann auf der argentinischen Seite wieder auf dem gleichen Längengrad wie zum Startzeitpunkt zu sein. Außerdem gibt es in Chile in der Nord-Süd-Richtung nur eine gut ausgebaute „richtige“ Straße, wir müssen deshalb den gleichen Weg, den wir bereits kennen, nochmal in Richtung Süden fahren. Wir probieren möglichst schnell möglichst viel Strecke hinter uns zu bringen und freuen uns auf die neuen Eindrücke, die uns dann auf der argentinischen Seite erwarten. Das Beste am erzwungenen Umweg: wir halten noch einmal am super Kite-Spot Embalse Puclaro (Moritz lernt die gesprungene Wende). In La Serena lassen wir das Salz der Salzseen in der Atacamawüste von unserem Auto entfernen. Dann kommen wir zum Paso de los Libertadores, dem nördlichsten Grenzübergang zwischen Chile und Argentinien, der für Touristen geöffnet ist, wir haben nun bereits 1600 km hinter uns. In sehr steilen Serpentinen windet sich die Straße die Anden hinauf, auf der Grenze steht der „Cristo Redentor“, der als Zeichen der Freundschaft zwischen Argentinien und Chile 1904 an dieser Stelle aufgebaut wurde.

Kurz hinter der Grenze erblicken wir den höchsten Berg Südamerikas, den Aconcagua (6958 Meter). In Uspallata, dem ersten kleinen Ort auf argentinischer Seite, stoßen wir auf die erfolgreiche Grenzüberquerung an, bevor wir am nächsten Tag nach Mendoza fahren. Hier bleiben wir zwei Tage und schauen uns die schöne Stadt an. Wir befinden uns mitten im Weinanbaugebiet und passenderweise wird gerade die neue Weinkönigin gekrönt. Abends essen wir Asado, dabei wird quasi alles was Tier ist auf den Grill gelegt. Dazu gab es ein Buffet mit allerlei Beilagen die mir deutlich mehr zugesagt haben als das Fleisch.

Ab hier fahren wir nur noch in Sportsachen – es ist unglaublich heiß, das Thermometer zeigt bis zu 38 Grad Celsius an und unsere Klimaanlage besteht bloß aus zwei offenen Fenstern. Wir fahren morgens sehr früh los und versuchen die Mittagshitze zu vermeiden indem wir auf schattigen Plazas Pause machen und Eis essen.

In Chilecito besichtigen wir die fast 120 Jahre alte (Material-) Seilbahn, die das abgebaute Gestein aus den Famatina-Bergen über 35 km und 3500 Meter Höhenunterschied in die Stadt hinabbringt. Sie war zu ihrer Zeit die längste Seilbahn der Welt. Abends genießen wir in Belen, einer Kleinstadt, die es so oder so ähnlich 1000-fach in Argentinien gibt, die belebte Plaza. Wegen der Hitze (selbst um 23 Uhr zeigte das Thermometer noch über 30 Grad an) wacht Argentinien in diesem Gebiet eigentlich erst um 21 Uhr auf – dann wird gegessen, Handwerk verkauft, Live-Musik gespielt und auf der Plaza zusammengesessen. Der Flair, der so verbreitet wird, macht sehr viel Spaß. Allerdings bringt uns diese Lebenslust und Party-Laune der Einheimischen auch um unseren Schlaf, an den direkt an der Plaza nicht zu denken ist. So entscheiden wir uns um zwei Uhr nachts doch noch dazu, uns einen neuen Stellplatz etwas außerhalb zu suchen.

Auf unserem Weg in Richtung der bolivianischen Grenze kommen wir an den Quilmes-Ruinen vorbei. Wir halten, ziehen uns unsere Wanderschuhe an und besichtigen die restaurierten Überbleibsel des Indigena-Volks. Der Blick von oben auf die Steinmauern, die seit dieser enorm langen Zeit an diesem Ort überdauern, ist beeindruckend und der kurze Rundweg lohnt sich sehr. Sehr freuen wir uns dann aber auch über den kleinen Kiosk, der am Besucherzentrum kalte Getränke gegen die Hitze verkauft.

In Salta, der letzten größeren Stadt im Norden Argentiniens machen wir unsere PCR-Tests und genießen ein weiteres Mal das lebendige Abend- oder Nachtleben Argentiniens. Hier werden am Wochenende sogar ganze Straßen gesperrt, auf denen dann stattdessen die Tische der vollbesetzten Restaurants stehen und das Leben gefeiert wird – eine tolle Atmosphäre.

Auf den extra für die Restaurants gesperrten Straßen trifft sich die ganze Stadt.

Der letzte Zwischenstopp ist Purmamarca, das Dorf mit dem „Cerro de los Siete Colores“ (dem Berg der sieben Farben). Der Touristenstrom erschlägt uns, weshalb wir uns einen Stellplatz etwas außerhalb, am Rande eines Flussbettes, suchen. Um zu dem Platz zu kommen queren wir, wie schon oft auf unserer Reise, das ausgetrocknete Flussbett. Dieses sieht aus, als hätte es eher Jahre als Tage kein Wasser mehr gesehen. Als es draußen dunkel wird sitzen wir im Bulli und lesen. Es fängt an zu regnen – eigentlich gemütlich. Moritz fällt irgendwann ein Strobo-Licht auf, das von der anderen Flussseite aus einem Haus zu kommen scheint. Die Flutkatastrophe im Ahrtal noch im Kopf fängt er an den Bulli abfahrbereit zu machen. Ich dagegen gehe raus und schaue mir das Flussbett an. Es hat sich in einen Fluss verwandelt. Der Weg auf dem ich zur Mitte des Flussbetts gegangen bin ist auf meinem Rückweg 30 Sekunden später schon von einem anderen, stetig wachsenden Rinnsal unterbrochen. Meine anfängliche Gelassenheit schwindet, wir müssen unseren Stellplatz so nahe am Fluss verlassen. Wir fahren die Straße, die zum Glück bergauf geht, zu einer kleinen Bucht und bleiben dort. Es kommen uns Männer mit Taschenlampen entgegen, die sich scheinbar den Wasserstand ansehen möchten. Wir folgen ihnen, ebenfalls mit Taschenlampen. Ungefähr zehn Minuten nachdem wir das Flussufer verlassen haben, kommt auch dort Wasser hinunter – Gott sei Dank hat Moritz das Licht des Einheimischen, das uns wohl warnen sollte, gesehen und geistesgegenwärtig gehandelt. Wir sprechen mit den Einheimischen, die erzählen, dass sie am nächsten morgen ab acht Uhr die Straße durch das Flussbett wieder herrichten. Sie ist die einzige Möglichkeit die kleine Siedlung zu erreichen und zu verlassen.

Am nächsten Morgen um acht Uhr fahren wir wieder hinunter zum Fluss, um mit anzupacken. Wir rechnen damit, dass es den gesamten Vormittag dauern wird, die völlig überspülte Straße zu befestigen. Es wurden Geröll, Steine und Schlamm angeschwemmt, die es wegzuräumen oder zu verteilen gilt. So richtig genau wissen wir nicht wie die Vorgehensweise ist, die Männer scheinen aber routiniert zu sein. Wir probieren einfach genau das zu machen, was sie auch machen. Nach ungefähr einer halben Stunde schon überquert der erste 4×4-Pick-Up die letzten Überbleibsel des Flusses – deutlich eher als wir gedacht hatten. Ein paar Minuten später trauen wir es unserem Bulli auch zu – der Vorteil: es geht bergab. Die Überquerung klappt ohne Probleme. Wir bedanken uns bei der Dorfgemeinschaft und fahren zurück nach Purmamarca, wo wir uns den siebenfarbigen Berg aus der Ferne ansehen. Es zieht uns aber schnell weiter in Richtung der Grenze.

Der Grenzort heißt La Quiaca, sie ist die nördlichste Stadt Argentiniens und damit 5121 km von Ushuaia, der südlichsten Stadt auf Feuerland, unserem „Weinachtsort“, entfernt. Wir möchten unsere verbliebenen Pesos ausgeben und gehen in einem kleinen Restaurant essen. Wir bestellen das teuerste Gericht auf der Karte (umgerechnet ungefähr 10 €), etwas zum teilen, wissen aber nicht genau was uns erwartet. Es kommt ein kleiner Grill an den Tisch, auf dem – natürlich – viel zu viel Fleisch angehäuft war. Das Essen war nicht wirklich besonders, sondern eher schlecht und der einzige Grund dass ich es erwähne ist der, dass ich über ungefähr zehn Tage etwas von ihm habe. Fast der gesamte Bolivien-Aufenthalt ist von sehr unschönen Nachwirkungen des Essens geprägt.

Zunächst müssen wir uns aber um diverse Kopien kümmern, die für die Abwicklung an der Grenze benötigt werden. Bisher reichten Einreiseerklärungen, Test- und Impfnachweise (etc.) immer auch digital und Reisepass und Fahrzeugschein als Original, dieses Mal wird alles in dreifacher (!) Ausführung verlangt. Die digitale Welt, oder das Prinzip „Scannen“ scheint in Bolivien noch nicht angekommen zu sein. Wir bekommen zum Glück alles zusammen und Dank einer sehr hilfreichen Copy-Shop-Mitarbeiterin auch unsere Einreiseerklärung ausgefüllt (die Website funktioniert auf dem Handy nicht), so dass wir die Grenze abends noch überqueren können.

An der Grenze Argentinien-Bolivien.

Wir haben den langen Roadtrip gut überstanden und trotz allem schöne neue Eindrücke mitnehmen können, auch wenn wir die meiste Zeit im Auto auf der Straße verbracht haben. Nun freuen wir uns auf das durch die Anden geprägte Bolivien. Schon der Grenzübergang liegt auf über 3400 Metern.

Hoch hinaus in der Atacamawüste

Nach vielen coolen Kitesessions auf dem Stausee machen wir uns auf den Weg nach Norden. Allerdings nicht ohne uns ein paar Tipps zu guten Kitespots von den chilenischen Kitern geben zu lassen. Wir begeben uns erneut auf die Ruta 5 und bemerken wie die Landschaft um uns immer karger und sandiger wird. Unser Ziel ist die Hafenstadt und größte Stadt im Norden: Antofagasta. Der Weg dorthin führt über eine 2000 m hohe Hochebene auf die Stadt zu. Die Stadt erstreckt sich über viele Kilometer am Pazifik entlang. Wir parken in der Nähe des Fischmarktes. Dort gibt es wie in vielen Städten Autowäscher, die Autos direkt auf dem Parkplatz vor Ort von Hand waschen. Wir vereinbaren mit Ihnen einen guten Preis und schlagen somit zwei Fiegen mit einer Klappe. Erstens hat der Bulli nach über 3 Monaten mal wieder dringend eine Wäsche nötig und zweitens wissen wir den Bulli in der Dauer unseres Stadtausflugs nicht ganz unbeaufsichtigt. Auf unserem Stadtrundgang endetecken wir nichts außergewöhnliches. Am Fischmarkt gibt es im Restaurant super günstigen, extrem fettigen aber insgesamt leckeren Fisch.

Im Norden der Stadt befindet sich ein uns empfohlener Kitespot. Beim Aufbauen lerne ich Ian kennen, der mich, nachdem er merkt, dass ich alles andere als perfekt Spanisch spreche, mit fließenden Deutsch anspricht. Aufgrund seines deutschen Großvaters hat er die deutsche Staatsbürgerschaft und ist vor 7 Jahren ohne Deutschkenntnisse ins tiefe Hessen gezogen und hat dort als Gerüstbauer gearbeitet, Deutsch gelernt und die Heimat seines Großvaters erkundet. Nach 5 Jahren zog es ihn zurück nach Chile, wo er seiner eigentlichen Tätigkeit als Fluglotse nachgeht. Sofort lädt er uns für den nächsten Tag ein mit ihm und Freunden einen anderen Kitespot aufzusuchen.
Dass der Wind am nächsten Tag komplett ablandig und sehr unbeständig ist, tut der Stimmung bei Ian keinen Abbruch. Beeke kitet bei diesen merkwürdigen Bedingungen, richtiger Spaß kommt aber nicht auf.

Am nächsten Tag erreichen wir San Pedro de Atacama, das kleine Städtchen ist Ausgangspunkt für viele Touren und Sehenswürdigkeiten in der Atacamawüste.

Wir übernachten nördlich der Stadt auf 3300 m Höhe, um von dort aus am nächsten morgen zu den El Tatio Geysiren aufzubrechen. Es ist unsere erste Nacht auf der für Europäer eher ungewöhnlichen Höhe. Trotz des wunderschönen Stellplatzes haben wir schon besser geschlafen.
Am meinem Geburtstag klingelt um 4:30 Uhr der Wecker und wir machen uns auf den 50 km langen Weg zu den Geysiren. Je höher wir kommen, desto kälter wird es und als wir die Geysire auf 4300 m erreichen ist das Thermometer unter null gesprungen. Noch vor Sonnenaufgang betreten wir das Geysirfeld und können diese noch komplett alleine vor den großen Besucherströmen bestaunen.

Auf dem Weg zu den Geysiren
Die Erde sprudelt.

Der spektakulär angefangene Tag endet mit einem Besuch in einem Observatorium in San Pedro. Aus der einführenden PowerPointPräsentation können wir nicht so viel mitnehmen. Der Blick auf die Sterne am klaren Himmel der Atacamawüste ist dafür umso überwältigender. Die geringe Luftigkeit und die Höhe machen die Atacama zum besten Standort für riesige Astronomische Forschungseinrichtungen.

Unter dem grandiosen Sternenhimmel der Atacamawüste
Geburtstagsfeier in der Wüste

Die erhoffte Grenzöffnung zu Peru verschiebt sich leider weiterhin und wir können von den Behörden vor Ort keine näheren Informationen bekommen. Die einzige Möglichkiet bietet die Ausreise nach Argentinien über den Paso de Jama, allerdings ist hier momentan nur der Frachtverkehr erlaubt. Wir wollen es trotzdem probieren und starten auf den 150 km langen Pass nach Argentinien. Über eine perfekt asphaltierte Starße geht es vorbei an Alpaca und Vicuna Herden, Salzseen und 6000 m hohen Vulkanen auf die Altiplano-Hochebene. Der höchste Punkt des Passes beträgt 4830m und ist somit höher als der Mont Blanc.

An der Grenze werden wir, wie erwartet, sofort abgewiesen. Mit dem Hinweis, dass der nördlichste offene Grenzpass der Paso de los Libertadores auf Höhe von Santiago ist, treten wir den Rückweg nach San Pedro an. Unterwegs treffen wir die Entscheidung nicht auf ein Öffnen der Grenzen im Norden zu warten, sondern die 1600 km in den Süden nach Santiago anzutreten, um dort nach Argentinien zu reisen. Für die nächsten Tag heißt es also Roadtrip!

Santiago, Valparaiso und das Kitesurf-Mekka

Wir fahren in den Abendstunden nach Santiago de Chile, das sich vor der Andenkette ausgebreitet hat. Unsere Sorge, in der Großstadt keinen geeigneten Stellplatz für unseren Bulli zu finden, stellt sich als nicht begründet heraus. Durch einen Eintrag in der App iOverlander stoßen wir auf einen Platz in einer ruhigen Straße direkt am Fuße des Cerro San Cristobal, einem sehr großen Stadtpark im Norden der Stadt. Tagsüber gibt es Parkwächter und nachts fährt eine private Security-Firma durch die Straßen. Wir fühlen uns wohl damit unser Auto hier alleine zu lassen und können beruhigt die Stadt erkunden.

Zu Fuß und mit der U-Bahn entdecken wir die Stadt, in der ein Besuch der typischen Sehenswürdigkeiten natürlich nicht fehlen darf. Sehr gut gefällt mir die Kathedrale direkt am Plaza de Armas. Im Mercado La Vega bieten die Obst-, Gemüse-, Fisch-, und Fleischhändler ihre Ware lautstark feil. In der riesigen Markthalle ist mir – trotz FFP2-Maske – nicht bei allen Gerüchen ganz wohl. Von Hühnerfüßen über exotische Früchte bis zu ganzen Ferkeln in der Kühltheke kann man hier alles bekommen. Wir kaufen etwas Obst und gehen zum Cerro Santa Lucia, einem Hügel auf dem die erste Siedlung an diesem Ort gegründet wurde. Einige Überreste der alten Festungsanlage sind noch vorhanden und wir setzen uns während der Siesta auf eine Bank im Schatten.

Einen bleibenden Eindruck hat das „Museo de la Memoria y los Derechos Humanos“ hinterlassen. Hier wird die Entstehung, das Leid und die Befreiung von der Pinochet-Diktatur aufgearbeitet. Durch den englischsprachigen Audio-Guide, den man sich aus dem App-Store herunterladen kann, war es uns gut möglich der Ausstellung zu folgen.

Die Mittagshitze verbringen wir meist im Schatten einer der vielen Stadtparks und abends probieren wir uns durch die Restaurants der Stadt. An einem Morgen machen wir uns zu Fuß auf den Weg auf die Spitze des Cerro San Cristobal, um über die Stadt zu blicken, leider liegt ganz schön viel Smog über Santiago, der die Sicht etwas trübt.

Nach fünf schönen Tagen verlassen wir Santiago in Richtung Westen nach Valparaiso am Meer. Moritz Kutsch, mit dem wir zusammen Abi gemacht haben, hat uns an seine Gastfamilie vermittelt, die ihn in seinem Austauschjahr aufgenommen hat. Wir werden unfassbar herzlich empfangen, um- und versorgt und bekommen gute Tips zur Erkundung von Valparaiso. Wir sind sehr dankbar für die Begegnung mit Jacqueline, Joaquín und Eduardo und die schönen Abende beim „Once“.

Valparaiso wurde auf 42 Hügeln erbaut, von dem jeder Hügel ein eigenes Viertel markiert. Durch ganz viel Street-Art und bunte Häuser wird Lebensfreude ausgestrahlt und eine tolle Atmosphäre kreiert. Überall sind kleine Cafés und Restaurants mit einem Blick über die Stadt. Wir schlendern durch die kleinen Gassen und freuen uns an der Schönheit dieser Stadt am Meer.

Kurz nachdem wir Valparaiso verlassen, in Vina de Mar, machen wir unsere schlechteste Erfahrung mit Südamerikanern. In einer ruhigen Straße neben einem Hotel legen wir eine kurze Pause ein und überlegen wo wir einkaufen und wie der Weg weiter gehen soll. Ein Mann klopft ans Fahrerfenster und fragt Moritz, ob dieser ein Bild von ihm vor dem schönen Ausblick auf den Pazifik machen könne. Natürlich kann er das. Bevor er aussteigt verständigen wir uns noch darüber, das ich im Auto sitzen bleibe, wir hatten nämlich von Fällen gehört, in denen eine solche Ablenkung dafür genutzt wurde das Handschuhfach auszuräumen. Als Moritz wieder einsteigt wundert er sich über den Mann, der wohl ein ganz schönes Gehabe um die Bilder gemacht hat, sich daran anschließend aber überhaupt nicht für das Resultat interessiert habe. Gleichzeitig habe ich im Augenwinkel einen Mann wahrgenommen, der seinen Rucksack verschließt und innerlich triumphiert, dass dieser durch meine Präsenz keine Chance auf Diebesgut hat. Nach ein paar Minuten fahren wir los – und vernehmen ein lautstarkes Zischen. Ich steige aus und finde ein angespitztes Stahlrohr im Reifen hinten rechts vor. Wir stellen uns wieder an den Straßenrand und sind perplex. Das Rohr steckt in dem Deckel einer PET-Flasche, unser Reifen ist also nicht durch einen Unfall, sondern durch einen gezielten Eingriff kaputt. Als wir das realisieren schließen wir sofort die beiden Türen vorne ab und sind angesichts dieser merkwürdigen Situation sehr aufmerksam.

Der Typ von dem Moritz die Fotos gemacht hat taucht urplötzlich wieder auf und fragt, ob wir einen Mechaniker oder ein Ersatzrad brauchen, geht hinter das Auto und deutet auf die Heckklappe an der sich kein Ersatzrad befindet. Entweder Moritz oder ich bleiben während der ganzen Zeit immer vor der offenen Schiebetür stehen. Als wir ihm klar machen, dass wir ein Ersatzrad unter dem Auto haben ist er irgendwann weg. Wir wechseln den Reifen, was angesichts der Steigung an der wir stehen ein nicht gerade einfaches Unterfangen ist und fahren zu einer der zahlreichen Gomerias, speziellen Reifenwerkstätten. Nach einer Viertelstunde und umgerechnet fünf Euro Kosten ist der Reifen wieder ganz. Unsere Stimmung ist plötzlich wieder sehr gut.

Zuerst war unsere Vermutung, dass der Übeltäter durch Abschlepp- und Mechanikerkosten Geld an uns verdienen wollte. Nach der Reparatur und dem Wissen über den geringen Preis, überdachen wir die ganze Situation noch einmal. Erst im Rückblick wurde uns dann klar, wie der Typ immer wieder versucht hat uns von den Türen des Bullis wegzulocken. Wahrscheinlich stand also sein Komplize (der Mann mit dem Rucksack?) die ganze Zeit in der Nähe und wartete auf einen geeigneten Moment um etwas zu entwenden. Wir sind froh, dass wir so aufmerksam waren und am Ende nur fünf Euro ärmer und „eine Erfahrung reicher“ sind. Schade, dass ein bisschen Leichtigkeit im Umgang mit Anderen verloren gegangen ist. Wir sind nun etwas misstrauischer und aufmerksamer wenn uns etwas zu aufdringlich erscheint, dabei haben wir bis auf diese Situation eigentlich nur positive Erfahrungen voller Hilfsbereitschaft gemacht.

Unser Weg führt von hier aus immer an der Küste weiter in Richtung Norden. Wir haben, wie schon so oft auf unserer unglaublichen Reise, wunderschöne Stellplätze direkt am Meer, die aber auf diesem Abschnitt leider von sehr viel Müll verunreinigt sind. Eines fehlt uns nun aber schon seit längerer Zeit: Wind. Wir haben große Lust zu kiten, den dafür notwendigen Wind aber leider nicht. Zum Glück tut Moritz bei einer Internetrecherche den Embalse Puclaro auf, ein Stausee, auf dem immer Wind sein soll – auch wenn die Vorhersagen das Gegenteil behaupten. Also biegen wir von La Serena in die Stichstraße ab, die ins Valle del Elqui führt. Als die Berge den Blick auf den See freigeben und wir die ersten Kites am Himmel sehen ist die Freude groß. Wir bleiben sieben Tage im Tal und kiten. Die Gegebenheiten am Stausee faszinieren uns. Von kahlen Bergen umgeben, die nur durch Kakteen bedeckt sind, ist der Wind jeden Tag um (fast Punkt) 12 Uhr da. Er bläst den ganzen Tag mit ungefähr 20-25 Knoten und flaut abends ab, sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist. Das Tal bietet eine Schneise, die das Tiefdruckgebiet über dem Land durch das Hochdruckgebiet über dem Pazifik ausgleicht. Sowohl Moritz, als auch ich machen Fortschritte – kein Wunder bei diesen immer gleichen super Bedingungen.

Nach einem verunglückten Sprung lande ich leider reichlich unsanft und zumindest zum Teil auch mit dem Kopf voran auf dem Wasser und habe ziemlich schnell Kopfschmerzen. Ich komme sofort vom Wasser und mache drei Tage Kitepause, in denen wir weiter in das Tal hineinfahren und uns die kleine (sehr touristisch geprägte) Stadt Pisco Elqui ansehen und das erste Mal seit ungefähr drei Monaten auf einem Campingplatz stehen. Als es mir wieder besser geht fahren wir zurück zum Embalso Puclaro und kiten nochmal ein paar Tage.