Auf nach Zentralamerika – Verschiffung nach Panama

In Cartagena warten wir auf Juan und seine Eltern, die mit ihrem T2 von Ecuador nach Alaska reisen. Zusammen wollen wir uns einen Container für die Verschiffung von Cartagena nach Colon in Panama teilen. Ana, unsere Agentin, die die Verschiffung für uns bei der Reederei bucht, teilt uns mit, dass wir am Montag das Auto in Cartagena abzugeben haben. Kurz darauf bekommen wir von Juan die Nachricht, dass ihr fast 50 Jahre alter Bulli mit einem Motorschaden in Bogotá liegen geblieben ist und er die pünktliche Ankunft in den Hafen nicht garantieren kann.

Zum Glück kann der Termin der Bulliabgabe auf Dienstag verschoben werden und Juan erreicht nach einer schnellen Reparatur und einem Gewalttrip aus Bogota die Hafenstadt Cartagena.

Auf das Hafengelände darf nur der Fahrzeughalter, ich muss den Bulli also alleine auf das Hafengelände bringen. Die Einfahrt in den Hafen erfolgt problemlos. Allerdings findet am Dienstagnachmittag keine Inspektion der Autos statt, sodass ich den Bulli auf dem Hafengelände zurücklassen und am nächsten Tag wiederkommen muss.

Dies ist an sich kein Problem, allerdings wird uns vorgeschrieben den Bulli unverschlossen auf dem Hafengelände stehen zu lassen. Nur widerwillig lasse ich den Bulli auf dem mäßig gesicherten Hafengelände zurück. Unsere Sorge ist nicht, dass Sachen möglicherweise abhanden kommen, sondern dass uns etwas dazugelegt wird.

Abends im Hotel bekommen wir eine E-Mail mit einer angehängten Deklaration, in der wir versichern müssen keine Drogen und ähnliche Sachen im Bulli zu haben und wir müssen unterschreiben für alles verantwortlich zu sein, was sich im Bulli befindet.
Eine Versicherung die wir im Wissen um das unabgeschlossene Auto nur mit großem Unbehagen unterzeichnen, allerdings haben wir keine andere Wahl.

Am nächsten Tag müssen wir die Autos komplett ausräumen und der Inhalt wird von Polizeibeamten kontrolliert. Neben unserem Freund Juan werden noch die Fahrzeuge eines Brasilianers und eines Argentinieres kontrolliert, die sich ebenfalls einen Container teilen.

Eine sehr nachlässige Drogenkontrolle.

Zuerst ist Juan an der Reihe, die Beamtin inspiziert jede Tasche und untersucht jede Unterhose. In der Proviantkiste, in der Juan Schokoriegel und Nüsse hat, öffnet sie jede Verpackung und riecht am Inhalt. Bei einer Tüte guckt sie verdutzt und erkundigt sich nach dem Inhalt. Juan bietet ihr an gerne von den Schokobonbons zu probieren. Das Angebot nimmt sie dankend an, danach probiert sie sich durch den ganzen Vorrat den Juan in seinem Bus hat. Wir anderen stehen staunend daneben. Ich mache mir etwas Sorge um den chilenischen Wein, den wir noch im Auto haben…

Bis unser Bulli an der Reihe ist, ist die Motivation der Polizistin verflogen und sie kontrolliert nur noch halbherzig den Inhalt. Sie wundert sich nur über die vielen Bücher in unserem Bücherregal.

Nach Abschluss der Inspektion können die Fahrzeuge in den Container verladen werden. Die Bullis werden von dem Hafenpersonal verzurrt. Der Container darf nur vor den Augen der Polizei geschlossen werden, die Wartezeit überbrücken wir mit netten Gesprächen mit Schweizern, die in der Gegenrichtung unterwegs sind und ihr Auto in Cartagena in Empfang nehmen wollen.

Nach circa sieben Stunden ist der Conatiner verschlossen, alles verzurrt und wir können das Hafengelände verlassen. Bei unserer Agentin Ana gibt es ein verspätetes Mittagessen und Juan und ich machen uns auf den Weg zurück in die Innenstadt.

Die verbleibenden zwei Tage in Cartagena vertreiben wir uns durch einen Ausflug auf den Castillo de San Felipe de Barajas und lassen uns die Cocktails an den Straßenständen schmecken. Cartagena ist eine lebendige Stadt die viele Touristen anlockt.


Am Samstag morgen fahren wir mit einem Taxi zum Flughafen und treffen dort Juan und seine Eltern. Durch einen netten Hinweis des Brasilaniers Jonas, den wir im Hafen kennengelernt haben, haben wir eine Reservierung für einen Rückflug aus Panama. Die Panamaische Regierung verlangt bei der Einreise als Tourist auch ein Ticket für einen Rückflug. Zwar haben wir gehört, dass unter Umständen das Zolldokument, welches die Verschiffung unseres Bullis bestätigt ebenfalls anerkannt wird, dennoch gehen wir auf Nummer sicher.
Dass sich dies rentiert erfahren wir, als wir Juan nach dem Boarding nicht im Flugzeug entdecken und wir nach der Landung die Nachricht bekommen, dass ihnen genau das fehlende Rückflugticket zum Verhängnis wurde und das Zolldokument nicht anerkannt wurde. Sie durften den Flug nicht antreten.

In den nächsten Tagen erkunden wir die Altstadt und das moderne Bankenviertel von Panama-City. Die Stadt hat viele amerikanische Einflüsse, angefangen bei den großen Autos, bis hin zu den fehlenden Gehwegen und den für uns ungewohnten hohen Preise.

Mit der Metro und dem Bus fahren wir zu den Mirafloresschleusen. Die Schleusen an der Pazfikseite des Panamakanals sind vor allem für ihre Lokomotiven bekannt, die die Schiffe durch die Schleusentreppe führen. Leider verpassen wir bei der Ankunft um acht Uhr den Konvoi der einlaufenden Schiffe und müssen bis mittags warten um die Schleusung der Schiffe der Gegenseite beobachten zu können.

Es ist beeindruckend die riesigen Ozeanriesen so nah in den Schleusen zu beobachten.

Nach drei Tagen in Panama City machen wir uns auf den Weg nach Colon, um den Bulli in Empfang zu nehmen. Da die transozeanische Eisenbahn wegen der Pandemie noch nicht wieder fährt, legen wir die 90 km mit dem Bus zurück.
Beim Kaufen der Tickets werden wir fast übers Ohr gehauen, als man uns statt der fälligen 3,20 $ ganze 25 $ für die Fahrkarten abknüpfen will.

In Colon wartet schon unserer Agent, der für uns die Zollpapiere erledigt. Dies benötigt Zeit und wir besuchen die nach Hongkong größte Freihandelszone der Welt in Colon, was aber eher eine Enttäuschung ist. Colon hat den Ruf eine unsichere Stadt zu sein. Wir fühlen uns auch nicht so richtig wohl. Da es auch noch zu regnen beginnt, verbringen wir die Zeit in einer McDonalds Filiale.

Nach dem ersehnten Anruf aus dem Hafen, bringt uns ein Taxi zum vereinbarten Treffpunkt. Anders als in Cartagena befinden wir uns diesmal nicht auf dem Hafengelände sondern auf einem Schotterparkplatz neben einer Schnellstraße. Der Container befindet sich noch auf einem LKW. Boris der Agent vor Ort, lächelt nur als er unserer verwirrten Blicke sieht. „Es kommt gleich ein Abschleppwagen, dann können wir entladen“.
Das Ausladen geht tatsächlich schneller als gedacht und wenig später stehen beide Bullis und das Motorrad von Gustavo auf panamaischem Boden.

Ausladen auf panamaisch.

Als Letztes erfolgt nun noch die Inspektion der Polizei. Da es mittlerweile wieder angefangen hat zu regnen meint Borris, dass die Kontrolle mit hoher Wahrscheinlichkeit eher übersichtlich ausfällt.
Den konkreten Sinn der Kontrolle können wir ohnehin nicht ganz nachvollziehen, in der gut 45 minütigen Wartezeit auf die Polizei hätten allerlei Dinge den Container oder den Bulli verlassen können.

Alle glücklich in Panama angekommen.

Als die Polizei schließlich kommt, hat der Regen sich nochmal verstärkt. Es werden nur schnell die Fahrgestellnummern abgeglichen. Nach den Erfahrungen der letzten Tage wundern wir uns nicht wie tonnenweise Drogen aus Kolumbien in die Welt exportiert werden können. Uns soll es egal sein, wir sind froh den Bulli unbeschadet ein zweites Mal verschifft zu haben und starten voller Vorfreude auf den neuen Kontinent!

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