Wiedersehensfreude und Abenteuer in Medellín

Am fünften April erreichen wir Kolumbien und fahren durch die tollen Berglandschaften im Süden des Landes. Weil wir wegen des Verschiffungstermins von Cartagena nach Colon (siehe Exkurs in diesem Blogbeitrag) nicht mehr viel Zeit haben, fahren wir ohne große Zwischenstopps durch die unglaubliche Hitze (und die vielen Staus) bis nach Medellín, wo wir uns zuerst über das angenehme Klima in der „Stadt des ewigen Frühlings“ freuen. Hier treffen wir Sofia Pelaez, die als Austauschschülerin 2014 in meiner Klasse war. Wir werden unglaublich herzlich von ihrer Familie aufgenommen und dürfen bei ihnen im Gästezimmer schlafen. Wir essen gemeinsam und bekommen viele wertvolle Tipps zu Kolumbien und den weiteren Ländern auf unserer Route in Richtung Norden.

In Medellín besuchen wir das Museum of Modern Arts und verbringen viel Zeit mit Sofia und ihren Freunden. Über ihren Freund Andrés bekommen wir Kontakt zu einem Guide, der Graffiti-Touren durch die Comuna 13 anbietet. Das ist das Stadtviertel, das über Jahre hinweg das Zentrum der Auseinandersetzung zwischen Sicherheitskräften, rechten Paramilitärs und der linken FARC-Guerilla war. Alleine im Jahr 1991 wurden ungefähr 6700 Menschen in Medellin getötet, 18 Menschen pro Tag. Noch vor zehn Jahren starb ein Kind im Kreuzfeuer eines Gefechts.

Das Bild, das wir uns von diesem Stadtteil machen konnten ist ein anderes. Die Comuna 13 ist bunt, voller Straßenkunst, Musik und Tanz. Unser Guide hat uns viel über die Geschichte des Viertels erzählt, die sich immer wieder auch in den tollen Graffitis widerspiegelt. Es haben sich in den letzten Jahren mehr und mehr Kulturzentren gebildet, die eine Perspektive bieten: Kunst statt Kriminalität. Unser Guide gehört zur „Casa Kolacho“, einer Art Jugendtreff, der Beschäftigung und Vorbilder bietet. Interessierte können hier kostenlos von den Möglichkeiten des Zentrums profitieren. Angeboten werden Breakdance-, Rap-, Graffiti- und DJ-Förderung. Das große touristische Interesse an der Geschichte und der Gegenwart des Viertels wird genutzt und in das Viertel reinvestiert.

Abends nimmt uns Sofia mit in das Nachtleben von Medellín. Zuerst schauen wir in der WG von Andrés vorbei, in der alle etwas mit Graphikdesign machen. Es macht Spaß sie beim Arbeiten zu beobachten und wir werden bereitwillig in die Welt der Kreativen eingeführt. Später gehen wir in einen Techno-Club, dessen Musik nicht ganz Moritz und meinem Geschmack entspricht. Von den vielfältigen Auswahlmöglichkeiten für den (nach) Mitternachtssnack ist aber vor allem Moritz hin und weg.

Wir machen uns irgendwann auf zu einer anderen Location, in der Sofias Schwester Valeria mit ihren Freunden ist. Als wir ankommen ist das Garagen-Rolltor zu. Sofia klopft und es wird ein wenig hochgezogen. Valeria und eine Mitarbeiterin des Clubs stehen dahinter. Auf die Aussage: „Die gehören zu mir“ von Valeria werden wir reingelassen und befinden uns in einem leeren Burgerladen. Aus dem Keller kommt uns Reggaeton-Musik entgegen. Unten angekommen tanzen ungefähr 60 Menschen zu der lauten Musik oder holen sich Drinks an der Bar. Moritz und ich sind ein bisschen perplex über diese Situation und freuen uns sehr dank Sofia hier gelandet zu sein.

Als hätten wir nicht schon genug von Sofia und ihrer Familie profitiert werden wir zum Wochenende auch noch in die Finca etwas außerhalb der Stadt eingeladen. Von hier aus fahren wir mit Sofia, Andres und einem weiteren Freund zum Campen zum See Guatape. Weil es viel geregnet hat ist die Wiese völlig durchnässt. Wir hinterlassen ganz schön tiefe Spuren (sorry nochmal) und kommen nur wegen unserer Sandboards und tatkräftiger Unterstützung vom Fleck. Wir haben einen richtig coolen Abend mit Lagerfeuer und einfach eine tolle Zeit.

Bevor wir uns am nächsten Tag weiter auf den Weg in Richtung Norden machen, werden wir noch zu zwei Badestellen im Fluss mitgenommen. Stellen, die wir alleine nie gefunden hätten und die wir deshalb umso mehr genießen. Wir sind sehr dankbar für die unglaubliche Zeit zusammen und die Gastfreundschaft und Großzügigkeit, die wir hier erfahren durften, wir haben es sehr genossen. Es war wirklich schön Sofia nach acht Jahren wieder zu sehen und bemerkenswert, dass wir uns nach dieser langen Zeit immer noch richtig gut verstehen.

Die zweite Badestelle bot auch Sprungstellen.

Es geht nun aus dem angenehmen Klima Medellíns weiter zur Atlantikküste des Landes, wo wir das erste Mal die Ausläufer der Karibik begrüßen dürfen. Die Stimmung in Covenas, wo wir drei Tage verbringen, gefällt uns auf jeden Fall gut. Wir liegen gut im Zeitplan und kommen einige Tage vor dem Verschiffungstermin in Cartagena an. Weil unser „Container-Buddy“ nur wenige Tage vor dem Termin mit einem Motorschaden in Bogotá festsitzt, ist uns Angst und Bange, er bekommt den Schaden aber gerade rechtzeitig repariert und der Termin kann wahrgenommen werden. Die Zeit bis wir das Auto im Hafen abgeben müssen verbringen wir am Meer, wo wir einen Stellplatz auf dem breiten Strand haben. Wir vertreiben uns die Zeit mit kiten (leider etwas wenig Wind), Schach spielen und baden.

Ein Kommentar zu “Wiedersehensfreude und Abenteuer in Medellín

  1. Freunde kann man nie genug auf der Welt haben, am besten ist, wenn man auf jedem Erdteil welche hat.

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