Oh, wie schön ist Panama!

Noch voller Freude über das gute Gelingen der Verschiffung fahren wir am 27. April mit dem Auto von Colon an der Küste entlang in Richtung Osten. Wir möchten gerne – wie immer, wenn wir einen Stellplatz für die erste Nacht in einem neuen Land suchen – im Hellen ankommen. Auf der Strecke raus aus Colon herrscht allerdings dichter Verkehr und wir kommen nur langsam voran. Auf den Landstraßen außerhalb des Einzugebiets der großen Stadt ist es dann leer, bis wir auf einmal stehen. Kurz vor einem kleinen Örtchen direkt am Atlantik stehen wir in einer Autoschlange und kommen nicht mehr vorwärts, die Ursache ist uns nicht ganz klar.

Wir finden nach und nach heraus, dass es sich wohl um einen Konflikt zwischen den Dorfbewohnern und der Polizei handelt, der die einzige Durchfahrtsstraße des Ortes blockiert, was genau dahinter steckt möchte uns aber keiner so wirklich sagen. Irgendwann sehen wir vermummte Leute, die sich mit Steinen bewaffnen und riechen Tränengas in der Luft, uns wird ein bisschen mulmig und wir entfernen uns etwas weiter vom Geschehen. Mittlerweile ist es auch dunkel geworden, was unserem unguten Gefühl noch weiter zuträgt.

Die anderen Autofahrer, die wir fragen sind allerdings sehr entspannt und sicher, dass im eigenen Auto und mit einem gebührenden Abstand keine Gefahr droht. Irgendwann kommen dann auch wieder Autos entgegen, die Straßensperre scheint sich also aufgelöst zu haben und auch unsere Schlange setzt sich langsam in Bewegung. Als wir an der Konfliktstelle ankommen sehen wir unzählige Pflastersteine vor der Polizeistation liegen, einen demolierten Polizei-Mannschaftswagen und Beamten in voller Montur. Wir sind froh, nicht in der Nähe gewesen zu sein und bringen schnell Distanz zwischen uns und den Ort.

Wir schlafen in dieser Nacht auf dem Gelände eines ehemaligen Hostels, das scheinbar schon seit Jahren nicht mehr im Betrieb ist. Wir dürfen aber die Toilette und die Dusche eines der Zimmer benutzen und direkt am Strand stehen.

Weil die einzige Verbindungsstraße durch das Land an der Pazifikküste entlangführt, durchqueren wir das Land erneut und fahren an Panama-City vorbei. Wir hoffen auf der Landzunge Punta Chame Kitesurfen gehen zu können. Dort angekommen finden wir – bis auf den fehlenden Wind – top Kite-Bedingungen vor und sind enttäuscht. Der Inhaber einer Kiteschule berichtet uns, dass wir ungefähr ein bis zwei Wochen zu spät kommen, mit dem Beginn der Regenzeit höre auch der im Sommer stete Wind schlagartig auf. Das Wetter meint es zu dieser Zeit sowieso nicht so gut mit uns. Bei über 30 Grad Außentemperatur hatten wir die Hoffnung, dass der meistens nachmittags einsetzende Regen eine kühlende Wirkung hätte. Da haben wir uns aber gewaltig geirrt. Die permanent hohe Luftfeuchtigkeit von über 90 % wird durch den Regen noch schlimmer. Alle Klamotten sind klamm, werden nicht mehr richtig trocken und fangen an vor sich hin zu muffeln. Die Polster im Bulli sind ebenfalls feucht, wenn wir schlafen gehen finden wir ein nasses Bett vor. Ununterbrochen schwitzen wir – selbst nachts um drei sind es noch 27 Grad. Entsprechend schlecht schlafen wir und das wirkt sich auf die Stimmung aus. Wir probieren das Beste aus der Situation zu machen und machen uns auf die Suche nach einem Ventilator, den wir in der Nacht laufen lassen können, das macht die Situation erträglicher, auch, wenn er dabei einen ziemlichen Lärm macht.

Regenzeit (mit Live-Kommentar der 2. Bundesliga).

Das Valle de Anton, das auf 600 m Höhe liegt bietet uns ein bisschen Abkühlung, die Luft ist hier nicht ganz so schwül und wir freuen uns über einen besseren Schlaf. Wir schlendern abends durch das kleine, belebte Städtchen und freuen uns über die schöne Atmosphäre. Für unseren Stellplatz haben wir uns eine kleine Grünfläche neben dem Fußballplatz ausgesucht. Ein alter Mann, der sich als Anwohner vorstellt, bringt uns Mangos und Bananen aus seinem Garten. Wir sind erst etwas unsicher, ob er im Gegenzug Geld bekommen möchte und fragen ihn nach dem Preis. Bisher haben wir im teuren Panama, im Gegensatz zu den großzügigen und hilfsbereiten südamerikanischen Ländern, nämlich die Erfahrung gemacht, dass niemand etwas umsonst macht, sondern für jeden Handgriff und jede Kleinigkeit eine Gegenleistung erwartet und gefordert wird. Hier allerdings liegen wir falsch, der Mann möchte uns das Obst wirklich einfach schenken und wir ärgern uns über unser Misstrauen.

Darüber hinaus fragt er uns, was wir in „seinem“ Ort noch vor haben, ein gewisser Stolz darüber, dass sich der Ort zu einer Touristen-Attraktion entwickelt hat, ist ihm anzumerken. Wir erzählen, dass wir am nächsten Tag eine kleine Runde wandern möchten. Zu unserer Überraschung fragt er uns, ob er mitkommen kann. Wir freuen uns über die Nachfrage, es ist bestimmt interessant sich von ihm über die Umgebung aufklären zu lassen und bejahen natürlich. Am nächsten Morgen treffen wir uns um acht Uhr und gehen los. Der Ort liegt in einem erloschenen Vulkankrater, unsere Wanderung führt uns über eine einigermaßen steile Strecke auf den Kraterrand. Die Aussicht hinunter in den Krater ist toll! Wir sind immer wieder beeindruckt, wie der 72-jährige Mann selbst die steilsten Abschnitte hochkraxelt und dabei nicht an Tempo verliert, immer wieder berichtet er etwas über sich oder die Umwelt. Anfangs sind wir sehr alleine und haben den Weg fast für uns, es wird aber nach und nach voller. Unser „Guide“ spricht mit jeder entgegenkommenden Gruppe und wir müssen immer wieder auf ihn warten. Irgendwann kommen uns auch Gruppen mit einem „offiziellen“ Guide entgegen, wir wundern uns, dass für diese Strecke überhaupt ein Führer notwendig ist, der Weg ist sehr gut ausgewiesen und selbsterklärend.

Irgendwann kommen wir wieder beim Auto an. Moritz und ich haben uns abgesprochen, dass wir unserer Begleitung ja ein kleines Trinkgeld geben können, als Dank für das nette Geleit. Als wir das zu Sprache bringen schaut er uns an und sagt, dass es normalerweise 20 $ kostet, mit ihm wandern zu gehen – mindestens und das Geld würde er nun gerne von uns bekommen. Wir sind perplex und frustriert. Aus unserer netten Bekanntschaft, die uns seine Heimat zeigen möchte wurde dann doch wieder jemand, der letztlich nur das Geld von uns wollte. Wirklich keine schöne Erfahrung, aber leider eine, die uns vor allem durch Panama und Costa Rica weiter begleiten sollte.

Wir fahren weiter und kommen nach zwei Zwischenstopps in Boca Chica an, einem kleinen Örtchen am Pazifik, von dem aus Boote zu den vorgelagerten und mangels Süßwasserquellen unbewohnten Inseln übersetzen. Wir buchen eine Tour, die uns zu drei verschiedenen Inseln bringen soll und Schnochel-Equipment stellt. Die Sonne scheint, das Wasser ist glasklar und der Strand weiß. Beim Schnorcheln können wir bunte Fische zwischen den Korallen beobachten und am Strand unter den Kokospalmen im Schatten die Ruhe genießen – ein Paradies!

Auf dem Rückweg zum Festland ziehen dunkle Wolken über dem Festland auf und kurz nach unserer Ankunft fängt es auch schon wieder an zu regnen – perfektes Timing, vormittags hatten wir wunderbares Wetter.

Von hier aus geht es über David, der heißesten Stadt des Landes, nach Boquete, das wieder in den Bergen liegt. Das Städtchen ist berühmt für seine Wandermöglichkeiten, allen voran für den Vulkan Barú, den man besteigen kann. Es soll unfassbar sein vom Gipfel des Vulkans den Sonnenaufgang zu bestaunen. Bei dem 13 km langem Aufstieg und den 1600 Höhenmetern, die zu überwinden sind heißt das, dass man um spätestens 0:30 Uhr losgehen muss, um pünktlich um sechs Uhr oben zu sein. Nach drei Stunden Schlaf klingelt also unser Wecker und wir packen unser Lunchpaket zusammen. Mit Stirnlampen ausgerüstet geht es durch die stockdunkle Nacht nach oben. Wir sind nicht die Einzigen, sondern treffen unterwegs immer mal wieder andere kleine Grüppchen.

Der Aufstieg ist wirklich steil und anstrengend, wir liegen aber gut in der Zeit und kommen rechtzeitig oben an. Der Ausblick ist gewaltig. Wir bestaunen den Sonnenaufgang über den Wolken und können beide Ozeane, Atlantik und Pazifik sehen. Ein unglaubliches Erlebnis!

Beim Abstieg sind wir froh, dass der Aufstieg im Dunkeln erfolgt ist, so konnten wir nicht sehen, was für steile Stücke wir zu überwinden hatten, das hätte uns sicherlich demoralisiert. Um 11 Uhr sind wir wieder am Auto und haben eine ganz schöne Strecke hinter uns. Wir bleiben noch für eine weiter Nacht auf der Höhe und genießen das kühle Klima. Den Nachmittag verbringen wir mit Steffi und Simon, die uns auf ihrem Weg aus den USA entgegenkommen. Ihre Reise ist schon fast vorbei, sie verschiffen ihren Toyota Hilux mit Bimobil-Wohnkabine (Moritz ist begeistert) von Panama zurück nach Hamburg. Es ist schön sich ein paar Tipps über die Route abzuholen und sich über das Reiseleben auszutauschen.

Aus den Bergen geht es wieder in die schwüle Hitze der Atlantikküste. In Almirante lassen wir das Auto auf einem bewachten Parkplatz stehen und setzen mit einem Taxi-Boot auf die Isla Colon, die Hauptinsel der karibischen Bocas-Inseln, über. Wir fahren von dort weiter auf die Isla Bastimentos, wo wir einmal über die Insel zum Playa Wizard und von dort aus durch den Urwald weiter zum berühmten Red Frog Beach laufen. Die Strände sind traumhaft und das Wasser fast unwirklich klar. Mit dem Taxi-Boot geht es dann zurück auf die Isla Colon, wo wir in einem Hostel schlafen. Am nächsten Tag nehmen wir, ähnlich wie auch schon in Boca Chica am Pazifik, an einer Bootstour durch das Insel-Archipel teil. Die Karibik ist wie gemalt. Wir sehen Delfine, Seesterne, Korallenriffs mit bunten Fischen und erneut traumhafte Strände. Diese sind allerdings nicht einsam, sondern sogar ziemlich voll.

Wir lassen uns nach der Tour von einem Taxi-Boot wieder auf das Festland übersetzen und fahren zur Grenze nach Costa Ria, wo wir die Nacht verbringen.

2 Kommentare zu „Oh, wie schön ist Panama!

  1. Besonders das 2. Faultier ist wirklich beeindruckend!🥰
    Und wieder so viele schöne Bilder. Ich freu mich mit euch!

  2. Liebe Beeke, wir gratulieren Dir ganz herzlich zu Deinem x-ten Wiegenfest. Du gehörst dem letzten wertvollen Jahrgang des vergangenen Jahrhunderts an.( Danach kamen nur noch Nullen. ) Einen guten Tag mit netten Gefährten und anderen Menschen und noch eine wunderschöne Tour wünschen Liane mit Helmut

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