Machu Picchu – im Reich der Inka

Am 09. März fahren wir nach Peru. Wir schlafen kurz hinter der Grenze und möchten dann möglichst schnell wieder niederigeres Terrain erreichen. Mittlerweile leuchten drei Warnleuchten im Armaturenbrett und unsere Hoffnung ist, dass der Dieselpartikelfilter sich freibrennt, wenn wir uns wieder auf Meeresniveau befinden. Deshalb lassen wir die Stadt Puno am nördlichen Ende des Sees aus und fahren auf direktem Weg zum Meer. Auf dieser Strecke haben wir erneut Pässe mit bis zu 4700 m zu überwinden, bevor es durch wechselnde Landschaften bergab geht. Zum Glück schaltet sich nicht das Notprogramm des Autos an.

In Ilo am Pazifik angekommen ist das Problem aber leider noch nicht von selbst verschwunden. Wir fahren in insgesamt zwei verschiedene Werkstätten, die sich beim Versuch uns zu helfen aber beide nicht mit Ruhm bekleckern. In der ersten Werkstatt stellt der Mechaniker nach zehn Minuten, in denen Moritz unser Problem erklärt und er die Motorhaube ausführlich inspiziert hat, die These auf, dass es helfen könnte besseres Benzin zu tanken. Moritz verbessert ihn: „Diesel“. Woraufhin der Mechaniker aus allen Wolken fällt: „Ach! Das ist ein Dieselauto?!“. Ja. Bei unserem Auto, das ein Problem mit dem DIESELpartikelfilter hat, handelt es sich um ein Dieselauto.
Er kann uns nicht weiterhelfen und verweist uns an die nächste Werkstatt. Hier werden drei verschieden Diagnosegeräte angeschlossen und mit dem Support des Diagnosegerätherstellers telefoniert. Immerhin sind am Ende der Prozedur die Warnleuchte für die Glühwendel und die Motorkontrollleuchte erloschen. Für den Urheber des Problems, die DPF-Leuchte, hat aber auch er keine Lösung. Wir verabschieden uns und probieren nun erneut das Auto in den Regenerationsmodus zu bekommen, indem wir 15 Minuten lang bei 70 km/h im vierten Gang fahren. Es klappt!

Wir sind sehr erleichtert, dass unser Armaturenbrett nicht mehr aussieht wie eine Discokugel und fahren zum Schlafen auf einen Strandparkplatz. Wir verbringen zwei Tage am Strand und haben einen coolen Stellplatz an einer kleinen Bucht, wo außer uns nur Fischer sind.

Als nächstes fahren wir nach Arequipa, wieder ins Landesinnere Perus. Arequipa ist eine sehr schöne Stadt, mit viel Kolonialarchitektur. Wir statten dem lokalen Museum einen Besuch ab und nehmen an einer Führung durch die Ausstellung von Fundstücken aus der langen Zeit der Inka-Dynastie in Peru teil. In der Stadt treffen wir auf viele Europäer, die in einem der diversen Hostels untergekommen sind.


Ursprünglich war unser Plan von hier aus zur sagenumwobenen Inka-Stadt Machu Picchu zu fahren, weil wir unserem Bulli die Höhe aber nicht noch einmal zumuten möchten, nehmen wir uns einen Mietwagen. Wir nutzen die Chance auf ein bisschen Offroad-Abenteuer (mit geeignetem Auto) und mieten einen Ford Ranger, mit 4×4-Antrieb, Differenzialsperre und Untersetzung. Moritz ist begeistert. Wir fahren über Nebenstraßen nach Ollantaytambo, kommen durch wunderschöne Berglandschaften und an diversen Schaf-, Lama-, Alpaka- und Vicunaherden vorbei.

„Unser“ Ranger.
Eine der vielen Lama-/ Schafherden

In Ollantaytambo angekommen schlafen in der Nähe des Bahnhofs. Der Besuch von Machu Picchu ist nämlich nicht „mal eben so“ durchzuführen, sondern Bedarf eines Raketenphysikstudiums (naja zumindest fast). Es führt keine Straße bis nach Agua Calientes, dem Ort am Fuße Machu Picchus, sondern kann der Ort nur mit dem Zug oder durch eine mehrtägige Wanderung erreicht werden. Von hier aus kann man mit Shuttle-Bussen oder zu Fuß über unzählige Treppenstufen in die Inka-Stadt gelangen. Für diese muss im Voraus ein Zeitslot und eine von vier möglichen Routen durch die Stadt (man ist also in Machu Picchu und kann trotzdem nicht alles sehen) gebucht werden. Zugankunft und Zeitslot müssen natürlich bestmöglich kompatibel sein, was aber nicht so einfach ist, weil Macchu Pichu DIE Touristenattraktion Perus ist. Teilweise sind die Zeitslots – je nach Route durch die Stadt – auf Monate hinweg ausgebucht. Wir bekommen es nach ein bisschen Recherche aber gut hin und sind pünktlich zur Abfahrt des Zuges um 6 Uhr am Bahnhof.

Wir entscheiden uns dafür vom Bahnhof in Agua Calientes bis auf den Berg zu laufen. Es sind ungefähr 400 Höhenmeter auf Stufen zu überwinden. Das ist einigermaßen anstrengend, lohnt sich aber für das Gefühl, sich Machu Picchu „verdient“ zu haben. Der Gang durch die Ruinen der ungefähr zwischen 1300 und 1450 gebauten Stadt ist dann ebenfalls ziemlich beeindruckend. Wahrscheinlich diente sie wegen ihrer Lage in gemäßigten Höhen („nur“ auf 2430 m) dem Herrscher aus der Inka-Hauptstadt Cusco als Wintersitz. Es konnten durch die terrassenförmigen Felder bis zu 1000 Menschen ernährt werden und die Art und Weise der Architektur und des Städtebaus war sehr durchdacht. Leider haben wir ein bisschen Pech mit dem Wetter und können das wunderbare 360°-Bergpanorama nicht richtig bestaunen. Das berühmte Machu Picchu mit eigenen Augen zu sehen ist aber trotzdem einfach richtig toll.

Unser Weg nach oben.

Wir sind insgesamt ziemlich überwältigt von den Menschenmassen, die sich rund um das „Phänomen“ der Inka-Stadt versammeln. Aus jeder Ecke bieten sich Einwohner als Guides an, möchten uns Kellner in ihre Restaurants einladen oder wollen fliegende Händler traditionelle Kleidung der Indigenas verkaufen. An jeder Ecke gibt es Hostels und Unterkünfte. Es ist wirklich unglaublich wie viele Menschen ihr Geld mit diesem Touristenmagneten verdienen. In jeder größeren Stadt in Peru, und sei sie noch so weit entfernt, kann man Machu Picchu-Touren buchen, Andenken kaufen oder Inka-Museen besuchen.

Zurück in Ollantaytambo machen wir uns auf den Rückweg, um den Mietwagen wieder gegen unseren Bulli einzutauschen. Wir machen eine Nacht halt in der Hauptstadt des ehemaligen Inka-Reiches, Cusco. Das Reich umfasste zu Zeiten seiner größten Ausdehnung die Gebiete vom südlichen Kolumbien bis Mittelchile. Auf die Grundmauern der prächtigen Inka-Tempel und Paläste bauten die Kolonialherren nicht weniger prächtige Kirchen und Residenzen. Wenn Erdbeben die Region aufsuchten, was keine Ausnahme war, hielten häufig nur die von den Inka gelegten Grundmauern stand, die Kolonialarchitektur dagegen war der Wucht der Erde nicht gewachsen.

Um uns auf den unfassbar schlechten Schlamm- und Schlaglochstraßen auf dem Rückweg nach Arequipa fortbewegen zu können, nutzen wir allen „Schnick-Schnack“ des Rangers. Trotz der Offroad-Ausrüstung benötigen wir für einen 70 km langen Abschnitt aber drei Stunden. Spaß macht es aber trotzdem (vor allem Moritz). In Chivay, ungefähr drei Stunden Fahrtzeit vor Arequipa, wollen wir eigentlich einen Abstecher in den wohl sehr sehenswerten Kolka-Canyon machen. Wegen einer Straßensperre kommen wir aber weder vor noch zurück. Wir sprechen mit einem Brasilianer, der ebenfalls durch die Straßensperre aufgehalten wird. Es stellt sich heraus, dass er bereits seit zwei Tagen dort steht. In der Nacht wurden auf der Straße Feuer entzündet, um ein Weiterfahren auch in Abwesenheit der meisten Protestierenden zu verhindern. Einen Umweg gibt es quasi nicht (Nur mit 350 km mehr – und das bei den schlechten Straßen und dem entsprechenden Tempo). Niemand weiß wie lange die Sperre dauert. Vielleicht nur noch ein paar Stunden, vielleicht ein paar Tage.

Wir erfahren, dass es um die Wasserrechte geht: große Teile des Wassers in Peru sind privatisiert und die Bauern protestieren dagegen. Der Protest scheint uns gerechtfertigt zu sein. Allerdings erfährt Moritz von einer Frau vom Katastropghenschutz, dass ein Erdbeben im Kolka-Canyon die Straße und rund 100 Häuser völlig zerstört hat. Die Menschen dort warten auf Hilfslieferungen, die wegen der Straßensperre nicht bei ihnen ankommen. Eine Ausnahme für die Hilfsarbeiter, die wir auf der anderen Seite der Sperre mit Leitern, Rohren und anderen Hilfsmitteln ausgestattet erspähen können, wird nicht gemacht. Aus unserer Sicht eine sehr zweifelhafte Vorgehensweise. Irgendwann kommt ein Regierungsvertreter und verhandelt mit den Protestierenden, überall sind Polizisten mit Maschinengewehren und Kampfausrüstung. Trotzdem strahlt die ganze Aktion keine negative Stimmung aus, sondern hat eher etwas von einem Volksfest: Die Menschen kochen auf der Straße, es gibt fliegende Händler, die Getränke und Eis verkaufen und es läuft laute Musik. Die Gespräche mit dem Regierungsvertreter verfolgen wir aus der Ferne. Es sind abwechselnd Buh-Rufe mit Pfiffen und Jubel mit Applaus zu hören. Irgendwann, wir stehen bereits seit sieben Stunden an Ort und Stelle, völlig aus dem nichts, bewegt sich etwas. Die ersten Autos fahren los und wir hängen uns mit ran. Wir kommen auf die Minute genau zur Schließzeit der Autovermietung wieder beim Vermieter an und tauschen den Mietwagen wieder gegen unseren geliebten Bulli.

2 Kommentare zu „Machu Picchu – im Reich der Inka

  1. Phantastisch, wie Ihr mit all den Schwierigkeiten umgeht. Mit der richtigen Nervenstärke kann man viel erreichen und erleben. Weiter so!

    1. Die Gelassenheit wir einem von allen hier Südamerikanern vorgelebt. Mit dem Motto „das klappt schon“ kommt man ziemlich weit 🙂

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