Über die Sunshine Coast in den Olympic Nationalpark

Nachdem wir am 06. August mit Dawson Creek den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht haben, orientieren wir uns wieder in Richtung Süden. Noch immer in Begleitung von Dennis und Maria möchten wir zur „Sunshine Coast“ nördlich von Vancouver und von dort dann nach Vancouver Island übersetzen. Zunächst finden wir aber (wieder einmal) einen wunderschönen Stellplatz in der Nähe der Siedlung Hixon. Wir stehen direkt am spiegelglatten Lake Chubb auf einem kostenlosen Campground. Wie schon so oft freuen wir uns über diese unglaubliche Infrastruktur aus kostenlosen oder zumindest kostengünstigen Campingplätzen, die wir in den USA und Kanada vorfinden. Nach einem schönen Abend bleiben wir auch den darauffolgenden Tag bis abends auf dem Platz, schwimmen, spielen Doppelkopf und lesen, bevor wir über eine mehr oder weniger aufregende Strecke wieder zur Hauptstraße und weiter Richtung Süden fahren.

Doch nicht so tief wie gedacht.

Die Straße schlängelt sich nun entlang wunderbarer Seen und wir können immer wieder Blicke auf die schneebedeckten Berge der Kaskadenkette des Küstengebirges erhaschen. Wir möchten eine Wanderung zu den drei Joffre Lakes machen, was uns aber verwehrt wird, weil wir keine Reservierung haben, die man benötigt, um Zugang zum Wanderweg zu bekommen. Stattdessen fahren wir auf direktem Weg weiter nach Whistler, dem Ort der Ski-Abfahrts-Wettbewerbe der Olympischen Spiele 2010 in Vancouver. Im Winter ein Ski-Paradies ist die Stadt zu unserer Besuchszeit von Mountainbikern übersäht. Die Skipisten sind Dirtparks und überall gibt es Ausrüstung zu kaufen oder zu leihen.

Mountainbike-Action in Whistler.

Abends kommen wir wieder an der pazifischen Küste, beziehungsweise dessen Ausläufer in Form des Fjords Howe Sound an. Wir würden hier in Squamish gerne am nächsten Tag kitesurfen gehen und fahren deshalb zum lokalen Kitespot, um uns diesen anzusehen. Als wir ankommen ist es windstill, wir treffen aber auf zwei Kiter, die wir zu den Bedingungen befragen können. Wie wir schon von der Website des Spots wissen benötigt man eine Kite-Erlaubnis, die man für 50 $ pro Person erwerben kann. Darin enthalten ist der Transport von Kiter und Material zur kleinen Insel, auf der die Aufbau- und Startzone ist und jegliche Art von „Rettung“ durch Jetskis. Wir erfahren, dass es Wind wegen des thermischen Effekts und des Aufbaus des Fjordes eigentlich immer gebe, wenn auch die Sonne scheint. Moritz und ich überlegen hin und her, ob es uns die 100 $ wert ist, an diesem besonderen Ort mit schneebedeckten Bergen in Sichtweite zu kiten. Der Blick auf den Wetterbericht erleichtert uns dann die Entscheidung: es soll am nächsten Tag bewölkt sein und immer wieder auch regnen. Mit der Aussicht am Nitinat Lake auf Vancouver Island kiten zu können, einem Kitespot, der uns von vielen Kitern entlang unseres Weges empfohlen wurde, können wir es verkraften weiterzufahren. Wir setzen noch am gleichen Abend von Horseshoe Bay über den Howe Sound Fjord nach Gibsons über. Wir sind an der Sunshine Coast angekommen!

Entlang der Küste reihen sich viele kleine (ehemalige) Fischerdörfer auf, die von wunderschöner Natur umgeben sind. Wir schlendern durch die Örtchen und wandern durch die angrenzenden Wälder. Bei Egmont können wir die Skookumchuck Narrows beobachten, das sind Stromschnellen, die durch die Gezeit entstehen. Die Strömung erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 32 km/h, wir stehen damit an der zweitschnellsten Gezeitenstromschnelle der Welt. Wir fahren bis zum Dorf Lund, das letzte Dorf an der Küste bevor die Wildnis beginnt, und finden einen tollen Stellplatz an der Steilküste.

Von Powell River geht es am nächsten Tag auf die Insel Vancouver Island. Im Pacific Rim National Park wandern wir ein Stück an der wilden Pazifikküste entlang und profitieren davon, momentan mit zwei Autos unterwegs zu sein. Wir stellen ein Auto am Ende des Küstentrails ab und fahren gemeinsam zum Ausgangspunkt der Strecke. So können wir ein längeres Stück gemeinsam in eine Richtung wandern. Leider können wir zwischen den vorgelagerten schroffen Felsen keine Wale erspähen, obwohl wir immer wieder anhalten, um Ausschau zu halten.

Nach etlichen tausend Kilometern auf guten Straßen haben wir auf dem Weg zum Kitespot mal wieder Schotterpisten vor uns. Aber selbst die sind in einem so annehmbaren Zustand, wie wir ihn uns im zentral- und südamerikanischen Teil unserer Reise das ein oder andere Mal kaum zu träumen gewagt haben.Der Kitespot liegt am Nitinat Lake, der allerdings, anders als der Name vermuten lässt, einen Zugang zum Pazifik hat. Auf dem Campingplatz angekommen frühstücken wir und warten darauf, dass der Wind zunimmt, was bei Sonnenschein früher oder später der Fall sei, wie wir uns von den anderen Campern, die fast ausschließlich ebenfalls zum kitesurfen hier sind, sagen lassen.

So kommt es auch und wir haben gute Kitesessions. Vor allem können wir die guten Bedingungen am Spot ausnutzen, um Dennis weiter zu schulen. Es ist Sideshore-Wind, das heißt der Wind bläst parallel zum Ufer. Wir schicken Dennis in Luv ins Wasser und er treibt beim Üben entlang des Ufers nach Lee. Dort, am Ende des Kite-Strandes, sammeln Moritz oder ich ihn dann ein, tauschen und fahren wieder zum Ausgangspunkt, wo wir Dennis erneut an den Kite hängen. Während Dennis am Ufer zurückläuft, bekommt er Instruktionen, Lob und High-Fives, er macht es nämlich echt gut und wir freuen uns über seine Fortschritte. Auch den nächsten Tag verbringen wir so und sind glücklich darüber, diesen unglaublichen Sport schon an so vielen atemberaubenden Orten ausgeübt zu haben (danke für´s Beibringen Papa!).

Sehr gut, Dennis!

Vom Kitespot geht es dann weiter nach Victoria, der Hauptstadt von Bristish Columbia, wo wir eine Nacht verbringen wollen. Es gefällt uns gut durch die Straßen und entlang der Uferlinie zu laufen und das gute Wetter zu genießen. Trotz der hohen Preise gönnen wir uns dann auch einen Kneipenbesuch, vor allem Moritz und ich freuen uns bei dieser Gelegenheit mal wieder auf das gute alte deutsche Bier.

Früh am nächsten Morgen setzen wir mit der Fähre wieder zum Festland über und fahren nach Vancouver. Mit einem straffen Besichtigungsprogramm geht es zum Teil auf Leihrädern, zum Teil zu Fuß durch die Stadt, die uns gut gefällt – Städte am Wasser haben einfach Stil! Den Abend verbringen wir als fast einzige Gäste in einem indischen „All you can eat“-Restaurant, wobei uns beim Aussuchen des Restaurants der „All you can eat“-Part deutlich wichtiger als der indische Part war, und schlagen uns die Bäuche voll. Der nächtliche Spaziergang zurück zum Stellplatz hilft sehr beim Verdauen.

Am Morgen des 18. August fahren wir von Vancouver Richtung Süden, einmal an Seattle vorbei und zu einem kleinen Bahnhof mitten im Nichts. Hier wartet Dani schon auf uns, die ihren USA-Aufenthalt nach einem Familienurlaub und dem Besuch bei ihrer Gastfamilie gemeinsam mit uns ausklingen lassen möchte – ganz zu unserer Freude! Für vier Nächte sind wir also zu fünft unterwegs. Wir fahren nach Port Angeles, dem Tor zum Olympic Nationalpark im äußersten Nordwesten der USA (bis auf Alaska), wo wir auf das Wiedersehen anstoßen und uns für die nächsten Tage proviantieren, die wir im Nationalpark verbringen möchten.

Bei unserer Planung müssen wir nun berücksichtigen, dass wir immer auch Platz für das kleine Zelt von Dani brauchen, deshalb ist es gut möglichst früh am Tag zu wissen, wo man die Nacht verbringen kann. Das stößt uns aber leider auf Schwierigkeiten. Die Campingplätze des Nationalparks sind ausgebucht und nicht mehr reservierbar und auch bei den Plätzen außerhalb wird es eng. Trotzdem finden wir für jede Nacht ein annehmbares Plätzchen und können sogar zwei Mal Lagerfeuer machen. Dani führt uns in die amerikanische Kultur ein und bereitet S’Mores vor, das ist die Kombination aus einem über dem Feuer gegrillten Marshmallow und einem Stück Schokolade, die zwischen zwei Kekse geklemmt und dann dann genossen werden. Der Name kommt daher, dass man immer „some more“ möchte.

Nachdem wir vom Rialto Beach aus ein Stück der Küstenwanderung hinter uns gebracht haben und der kleinen Stadt Forks, die als Kulisse der Twilight-Welt diente, einen Besuch abgestattet haben folgt mein Highlight der Zeit zu fünft: die Wanderung zum Lake Angeles. Wir machen es uns hier erneut zu nutzen, dass wir ein Auto am Ende des Weges abstellen können und es uns so möglich ist eine Strecke und nicht nur einen Rundweg zu laufen. Der Weg zum See führt ziemlich steil bergauf. Der Blick, der sich uns dann aber auf diesen stillen Bergsee in mitten der rauen Landschaft bietet, belohnt jede Anstrengung auf dem Weg hinauf. Die Sonne scheint warm vom Himmel, weshalb wir es uns nicht nehmen lassen eine Runde im See zu schwimmen. Nach der Pause am See wandern Dennis, Maria und Moritz über den Mount Angeles weiter zum Ende des Wanderwegs, während Dani und ich umkehren. Danis Corona-Erkrankung ist noch nicht lange her und hat sich beim Aufstieg zum See ganz schön bemerkbar gemacht, weshalb wir uns den noch steileren zweiten Abschnitt der Wanderung sparen und stattdessen den Abstieg nehmen.

Nach einem schönen letzten Abend müssen wir uns am Morgen des 22. August von Dani verabschieden und fahren zu viert in Richtung Osten. Wir frühstücken „echt amerikanisch“ in einem Diner und müssen uns dann, nach sechs gemeinsamen Wochen, auch von Dennis und Maria trennen. Für Moritz und mich steht nun die Durchquerung der Vereinigten Staaten an. Auf den 5000 km, die vor uns liegen ist unser erstes Etappenziel der Yellowstone National Park.

3 Kommentare zu „Über die Sunshine Coast in den Olympic Nationalpark

  1. Das sind ja richtig symphatetische Freunde von Euch (auch wenn Ihr leider jetzt ohne sie weiterreiset) – sie bleiben Euch ja erhalten.

  2. Ich wünsche Euch alles Gute beim Verladen des Bullis, der ja bei guter Ankunft in Deutschland Kultstatus besitzen wird. Und Euch einen guten Rückflug und entspanntes Ankommen in der alten Heimat.

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