Mezcal und Safari in Mexikos Süden

Das Grenzstädtchen La Mesilla ist, wie viele Grenzstädte auf unserer Reise, ein wuseliges Durcheinander. Mittendrin befindet sich die Migrationsbehörde und der Zoll. Das Ausreisen aus Guatemala gelingt im Gegensatz zur Einreise ohne Probleme. Danach passieren wir einen mexikanischen Checkpoint an dem wir eine Gebühr für die Fahrzeugdesinfektion bezahlen.

Mexiko eilt der schlechte Ruf voraus, von korrupten Polizisten und Grenzbeamten beherrscht zu werden. Wir machen andere Erfahrungen: an der Grenze gelingt alles problemlos und da wir die 400 $ Kaution für das Auto mit der Kreditkarte bezahlen können, haben wir auch keine Sorge, dass der Grenzbeamte sich diese in die eigene Tasche stecken könnte. Er zeigt uns sogar mit etwas Stolz die ausgedruckte Rechnung und betont, dass an dieser Grenze alles ordentlich ablaufe.

Grenzübergang nach Mexiko.

Den ersten Abend verbringen wir auf einem Walmart-Parkplatz. Die große Auswahl kombiniert mit den günstigen Preisen kannten wir zuletzt aus Südamerika. Vor allem die Backwarenabteilung, die echt gutes Brot anbietet, wissen wir sehr zu schätzen. Nach einem Großeinkauf besuchen wir die Stadt San Christobal. Die vielen bunten VW Käfer prägen das Stadtbild und viele Exemplare befinden sich in einem super Zustand. Wir lassen uns durch die Gassen treiben und genießen die aufgeräumten Straßen nach den wuseligen Eindrücken aus Mittelamerika. In einem kleinen Restaurant in einer Seitengasse gibt es das erste Mal richtiges mexikanisches Essen. Besonders scharf ist es nicht, man darf nur nicht den Fehler machen es mit den dazu servierten Soßen zu gut zu meinen.

Der Sumidero Canyon ist berühmt für seine bis zu 1000 m tiefen Schluchten. Da wir erst abends den Eingang erreichen, müssen wir vor den Schranken des Parks übernachten. Die äußerst netten Parkranger lassen die Toiletten für uns über Nacht offen und bieten uns Wasser an. Wir sind sehr beeindruckt und dankbar für die tolle Gastfreundschaft, die uns in den ersten Tagen in Mexiko entgegenkommt.

Am nächsten Morgen passieren wir als erstes Auto den Eingang zum Canyon und erklimmen die Serpentinen. Auf den ersten Metern überholen wir viele Jogger und Radfahrer, dann haben wir die Straße und die schönen Blicke in den Canyon für uns allein.

Leider gibt es auf dieser Seite des Canyons keine Wanderwege und so machen wir uns nach einem Frühstück und einigen tollen Aussichtspunkten, die mit dem Auto zu erreichen sind, auf den Weg ans Meer. Die Straße ist asphaltiert und überrascht uns mit ihrem sehr guten Zustand. Die aus Mittelamerika gehassten Schlaglöcher sind hier selten, allerdings kosten uns die „Lomo del Burro“ einige Nerven. Die zur Geschwindigkeitsreduzierung gedachten „Huckel“ säumen mehr als zahlreich Mexikos Straßen und sind Bestandteil diverser Gespräche zwischen Reisenden auf dieser Route. Die unzähligen Ortsdurchafhrten werden durch abbremsen und erneutes anfahren etwas lästig. Immerhin sind sie sehr effektiv. Hier muss man sich an die Geschwindkeit halten, das Fahrwerk dankt es einem.

Auf dem Weg nach Salina Cruz am Pazifik funktionieren wir den Bulli zum Abschleppwagen um und helfen so einer österreichischen Auswanderin und ihrer Freundin mit ihren Töchtern und ihrem T2. Die vier stehen mit ihrem schönen Bulli am Rand der Straße mitten in der Pampa Mexikos. Da der Motor während der Fahrt einfach ausgegangen ist und sich auch nicht mehr starten lässt bieten wir unsere Hilfe an. Wir nehmen den Bulli an den Harken und zuckeln mit diesem Gespann 25 km bis in den nächsten Ort. Wir haben Glück und finden einen Mechaniker in dem kleinen Dorf. Er schmeißt sich direkt unter den Bulli und fährt danach zu einem Freund um Ersatzteile zu besorgen. Wir bleiben noch etwas da um eventuell noch helfen zu können und erkunden in der Zeit den Ort. An einem kleinen Straßenstand gibt es hervorragende Quesadillas, die eine nette Frau mit ihrem Sohn vor Ort zubereitet. Da die Liegenbleiber Freunde zum Abholen gerufen haben, setzen wir unseren Weg zum Strand fort. Dort finden wir einen tollen Schlafplatz im Hof eines Strandlokals in dem es kaltes Bier mit traumhaftem Blick über die Bucht gibt.

Wir befinden uns in der Region Oaxaca, die bekannt ist für ihren Mezcal. Das ist ein Agaven-Schnaps, dessen Sorte aus der Region Tequila im Ausland wohl deutlich bekannter ist. An den kurvigen Straßen in den Bergen mitten zwischen schier endlosen Agaven-Feldern befinden sich immer wieder kleine Destillen, die mit ihrem Mezcal werben.

Gegen Mittag halten wir an einer Destille und lassen uns vom Eigentümer den Prozess des Mezcalbrennens erklären. Ich bekomme eine kleine Holzschale gereicht. Mit der Warnung „Achtung sehr stark“ probiere ich. Erst danach wird mir erzählt das es sich hierbei um über 90%igen Alkohol handelt. Nach der kleinen Führung bekommen wir auch fertigen Mezcal zum probieren, da wir noch weiter fahren wollen verzichtet Beeke auf die Verkostung, was vom Eigentümer nicht ganz verstanden wird. Mit einer Flasche Mezcal im Proviantfach, machen wir uns auf den Weg in die Stadt Oaxaca. Der Weg führt uns durch den Ort Santa Maria del Tule in dem der dickste Baum der Welt stehen soll. Wir lassen uns den Anblick nicht entgehen und bestaunen den Baum mit einem Umfang von 46 Metern.

Der dickste Baum der Welt.


Auf dem Weg in die Großstadt Puebla sehen wir durch Zufall ein Schild am Straßenrand, das mit einer Africa Safari wirbt. Neugierig beschließen wir einen kurzen Umweg zu nehmen und uns diese Safari genauer anzuschauen. Am Einfahrttor bezahlen wir den Eintritt und erhalten eine kurze Einweisung. Dann dürfen wir mit dem Bulli passieren. Die folgenden zwei Stunden sind sehr kurios. Auf unserer Safari-Rundfahrt durch den Park begegnen wir Giraffen, Nashörnern, Zebras, Elefanten (asiatische wie afrikanische), Löwen, Bären, Kängurus und vielen weiteren Tieren. Unter teilweise sehr fragwürdigen Haltungsbedingungen kommt man den Tieren so nahe wie wir es noch nicht erlebt haben – und das alles im eigenen Auto sitzend.

Unser Stellplatz für die Nacht nach der Safari.

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