In einer Woche durch Guatemala

Die Grenze zwischen El Salvador und Guatemala ist eine der Kategorie „Ruhe bewahren und den Dingen ihren Lauf lassen“. Die Ausreise aus El Salvador gelingt problemlos, da wir bei der Einreise keinen Stempel bekommen haben gibt es auch bei der Ausreise keinen. Vor der Einreise nach Guatemala müssen wir vor dem Büro unsere Impfdokumente validieren lassen. Wir kramen also unsere Impfnachweise aus unserer Mappe, hätten Ihnen aber stattdessen aber auch den Kassenbon des letzten Einkaufs vorlegen können. Mit der Betsätigung erhalten wir im Büro den Einreisestempel. Der Schalter ist wegen der Covid-Auflagen oder aus anderen Gründen so konzipiert, dass der Schlitz zum Übergeben der Dokumente so klein ist, dass gerade einmal die Scheckkarten-Ausweise der Einheimischen hindurch passen. Unsere Reisepässe werden so mit Gewalt dort durchgezwängt, dass wir schon befürchten bei der Rückgabe alle Seiten einzeln in der Hand zu haben.

Danach geht es zum Zoll. Zuerst müssen wir den Sicherheitsmann überreden überhaupt hereingelassen zu werden um die temporäre Einfuhr des Bullis zu beantragen. In dem Schalter des Zoll-Büros sitzen drei Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen, einer von ihnen winkt uns heran. Ich gebe ihm die Dokumente und er beginnt in seinem Computer zu arbeiten. Nach circa 10 Minuten, er scheint bislang noch nicht das richtige Formular gefunden zu haben, bittet er seine Kollegen um Hilfe. Diese unterbrechen kurz das Schauen ihrer Serie auf dem Smartphone und eilen ihm zu Hilfe. Gemeinsam drucken sie eine Zahlungsaufforderung auf, die bei einer Bank beglichen werden muss. Da sie mir den Standort der Bank nicht so ganz genau beschreiben können erfrage ich mir den Weg und stehe schließlich vor einer geschlossenen Bankfiliale. Gegenüber befindet sich ein weiteres Büro der Bank, es ähnelt aber eher einer Art Copy Shop. Ich zeige Ihnen mein Dokument und frage ob ich es bei ihnen bezahlen kann. Der Angestellte verneint und zeigt auf seinen Computer: er habe momentan kein Internet. Danach steht er auf, geht raus und verschwindet mit seinem Motorrad. Die anderen Leute in dem Laden können mir auch nicht helfen. Zurück am Zollbüro berichte ich dem Zollbeamten meine Fortschritte, der daraufhin auch nicht weiter weiß. Der Sicherheitsmann allerdings hört mit und ruft einen Freund an. In dem Hinterhof eines Restaurants führen Treppen in ein dunkles Büro in dem der besagte Freund sitzt. Er hat scheinbar eine Internetverbindung mit seinem Computer und kann die Einfuhrgebühr für uns bezahlen. Zurück am Zollbüro, hat der Zollbeamte die wohlverdiente Pause mit der Fortsetzung seines Films genutzt. Die Zeit hätte alternativ auch durch die Weiterarbeit an dem Zolldokument genutzt werden können, das hätte unsere daran anschließende 40-minütige Wartezeit wohl etwas verkürzt.

Danach ist es endlich geschafft! Nach einer kurzen Fahrzeuginspektion können wir die Grenze verlassen und machen uns auf den Weg nach Jutiapa. Unterwegs halten wir an einem Straßenkiosk und kaufen Trinkwasser. Der lokale Stammtisch, der sich vor dem Laden versammelt, fragt interessiert nach unserer Reise und der nette Besitzer schenkt uns extrem scharfe Chips.

Wir übernachten anschließend auf dem Parkplatz der örtlichen Mall. Mit einem Bier setzen wir uns auf eine Bank und beobachten das Treiben. Das lokale Bier mit dem Namen Gallo („Hahn“) überrascht uns sehr. Es ist seit Argentinien das erste Bier, das den Namen Bier auch in Deutschland verdient hätte.

Wir beobachten die Leute, die in Ausgehkleidung und perfekt gestylt den Samtagabend im McDonalds, Pizza Hut und Subway verbringen. Dieses Phänomen ist uns bereits in den anderen zentralamerikanischen Staaten aufgefallen. Die gastronomische Infrastruktur ist in kleine lokale Restaurants oder Straßenstände und amerikanische Fastfood-Ketten unterteilt. Wer etwas auf sich hält und es sich leisten kann, geht am Wochenende in die Filialen der Pizzabäcker und Burgerbräter. Das Preisniveau liegt dabei deutlich über dem der lokalen Straßenstände.

Am nächsten Tag steuern wir Antigua an. Die alte Hauptstadt des Landes hat sich zum Touristenmagneten entwickelt. Wir übernachten auf einem liebevoll gestalteten Campingplatz, der neben Plätzen für Wohnmobile auch Übernachtungsmöglickeiten in umgebauten Autos, Booten und sogar einem ausgebauten Hubschrauber anbietet. Abends lassen wir uns durch die kleinen Gassen der Stadt treiben. Die Innenstadt macht einen ungewohnt aufgeräumten Einruck und lässt sich sehr gut zu Fuß erkunden.

Am nächsten Tag erkunden wir die Iximché-Ruinen. Auf dem Gelände sieht man die Überreste einer Stadt des Maya-Volks. Im hinteren Bereich der Anlage treffen sich an diesem Dienstagmorgen einige Nachfahren der Iximché, die dort spirituellen Ritualen nachgehen.

Auf dem Weg zum Atitlán-See halten wir an einer kleinen Reifenwerkstatt und lassen unsere Reifen von vorne nach hinten wechseln. Die bisher zurückgelegten 30.000 km haben schon etwas Spuren an den Vorderrädern hinterlassen. Die Hinterräder verfügen noch über mehr Profil und sollten unseren Weg bis Kanada noch gut meistern.

Boxenstopp am Straßenrand.


In Panajachel finden wir einen tollen Stellplatz direkt am See in Gesellschaft zweier amerikanischer Wohnmobile. Ein kanadisch-französische Paar neben uns wartet schon seit fünf Wochen auf diesem Stellplatz auf ihr neues Kennzeichen. Ihres haben sie bei einer Flussdurchfahrt verloren und da ihr amerikanischer Van nur über ein Kennzeichen verfügt, stecken sie in Panajachel fest. Sie nehmen es gelassen und vermeiden durch ihren Stillstand auch die immer teureren Benzinpreise. Es ist nicht das erste mal, dass der Austausch über den Verbrauch der jeweiligen Fahrzeuge Erstaunen auf beiden Seiten auflöst. Während wir mit durschnittlich 8 Litern auf 100 Kilometern unterwegs sind verbrauchen die Fahrzuege aus den USA nicht selten 20 Liter aufwärts.

Panajachel ist ein netter Touristenort, der in der Nebensaison nicht sehr stark besucht ist. Wir verbringen hier zwei Tage, bevor wir uns auf den Weg nach Mexiko machen.

Ein Kommentar zu “In einer Woche durch Guatemala

  1. Eure Reise ist einfach PHÄNOMENAL!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Bleibt gesund und munter und gelassen.

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