Paddle harder!

Vor dem Lago Yelcho bogen wir von der Carretera ab und fuhren nach Futaleufú, das kurz vor der argentinischen Grenze liegt. Der Rio Futaleufú ist berühmt für seine tollen Rafting-Möglichkeiten, die wir nutzen wollten. Zuerst wanderten wir aber den kurzen Weg zum Piedra del Águila hoch, einem Felsen, der über das Tal hinausragt.

Wir buchten bei einem der zahlreichen Touranbieter für den 10. Januar eine mittellange Rafting-Tour, die mehr Stromschnellen zu bieten hatte als die kleineren Touren. Mit einem chilenischen Paar in unserem Alter und vier (!) Guides fuhren wir zur Ausgangsstelle, wo wir in den Rio Azul einstiegen. Dieser ist ein eher gemächlicher Fluss, der später in den deutlich reißenderen Rio Futaleufú mündet. Wir fuhren mit dem anderen Paar und unserem Guide Mauricio zusammen in einem Schlauchboot, während drei weitere Guides auf zwei Kajak-Schlauchboote verteilt waren. Wir bekamen von zwei der Guides ziemlich eindrücklich die Verhaltensregeln im Falle des Kenterns oder Über-Board-Gehens einer Person auf den Weg. Die beiden Kajaks fuhren stets voraus, um uns im Falle des Über-Board-Gehens aufgabeln zu können.

Nach dem Rafting – klitschnass, aber glücklich.

Die Vorsicht der Guides erfuhr schon bald eine Legitimation durch die krassen Wellen, die sich aufgrund der Felsen im Wasser oder Engstellen auftaten. An einigen Stellen ragten die Wellen bis zu zwei Meter über uns auf und schlugen mit ganz schöner Wucht auf uns ein. Die Kommandos („forward“, „backward“, „stop“) wurden nicht nur selten durch ein „paddle harder!“ verstärkt. Es bestand nämlich die Gefahr, dass das Boot mit zu wenig Vortrieb an Stellen gerät, an denen es, ohne, dass wir oder der Guide etwas dagegen tun könnten umkippt. Das macht zwischen all den Felsen und der starken Strömung wirklich keinen Spaß, wie uns mehr als nur einmal deutlich gemacht wurde. Moritz und ich hatten während der Tour unglaublich viel Spaß und sind sehr froh uns für die längere Tour entschieden zu haben. Ungefähr ab der Hälfte kamen nämlich weitere 14 Passagiere dazu, von denen zwei auf unser Boot und die anderen auf zwei weitere Boote verteilt wurden. Die Stromschnellen waren im weiteren Teil der Strecke dann auch harmlos im Vergleich zum bisher Erlebten.

Weiter ging es zurück auf die Carretera Austral in Richtung Chaitèn. Am Lago Yelcho legten wir einen einen Zwischenstopp ein und wanderten durch einen Urwald zum Ventisquero Yelcho, einem Aussichtspunkt mit Blick auf den Gletscher Yelcho. In Chaitén standen wir zwei Tage auf einem schönen Platz am Pazifik und genossen die Sonne.

Um von hier aus weiter in Richtung Norden zu kommen müssen Fjorde überquert werden – eine Straße gibt es nicht. Auf dem Weg zum Fähranleger freuten wir uns auf eine Wanderung zum Vulkan Chaitén, die wegen schlechten Wetters aber leider ins buchstäbliche Wasser fiel. Aufschieben konnten wir sie auch nicht, weil die Fähre bereits gebucht war. Im strömenden Regen erreichten wir schließlich Puerto Montt, das nördliche Ende der Carretera Austral.

Weil meine zweite Impfung gegen das Coronavirus schon sechs Monate zurücklag (Moritz hatte seinen Biontech-Booster nach seiner ersten Johnson und Johnson-Impfung bereits vor der Reise erhalten) versuchten wir eine Impfung für mich zu organisieren – und das war einfach. Moritz fand durch eine einfache Google-Suche einen Standort mit Impfangebot, dem wir einen Besuch abstatteten. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Impf-Bus auf dem Parkplatz eines Einkaufzentrums handelte. Wir fragten einen der Mitarbeiter, ob es ein Problem sei, dass ich deutsch, erst 22 Jahre alt und bereits doppelt geimpft bin, was er verneinte. Nach kurzer Wartezeit ging ich in den Bus und kam mit Biontech geimpft wieder heraus – völlig unbürokratisch und ohne Probleme!

In Puerto Montt erreichte uns auf unseren Smartphones eine lautstarke Warnmeldungen vor einem „Tsunami menor“ (klein). Wir informierten uns und erfuhren von dem Ausbruch des Unterwasservulkans vor Tonga. Weil Puerto Montt aber in einer Bucht liegt und dann auch noch durch die zweitgrößte Insel Chiles Chiloé geschützt wird, bekamen wir nichts von Flutwellen oder ähnlichem mit. Nach einem Großeinkauf fuhren wir weiter auf die Insel Chiloé, wo wir das erste mal auf die „offizielle“ Panamericana, die Ruta 5 stoßen werden.

2 Kommentare zu „Paddle harder!

  1. Zu Eurem ungeheuren „Fassungsvermögen“ ob der vielen Eindrücke, die schon für mich Außenstehenden atemberaubend sind, gratuliere ich Euch herzlich. Bleibt gesund und munter.

  2. Hallo Moritz,
    am letzten Sonntag traf ich zufällig deine Eltern und dabei erzählten sie mir von eurer Panamericana-Tour.
    Weil das auch mal ein Traum von mir war, „verfolge“ ich euch jetzt auf eurem Blog.
    Ich wünsche euch beiden noch eine tolle Reise und genießt die Zeit!
    Viele Grüße,
    H.-J. Temme

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